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Spanien ist eine Baustelle
oder
Tapas satt

10.9. - 1.10.2007

Einer von Antjes tieferen Wünschen war noch einmal in den spanischsprachigen Raum zu fahren, um ihr Spanisch wieder aufzufrischen. Mit unserem Nachwuchs mußte sich das Konzept unserer Urlaube ändern, nix mehr Motorrad und Rucksack - vorerst. So suchen wir uns ein überschaubares Ziel aus - vier Wochen Andalusien mit Zelt im September, weil wir noch außerhalb der Ferien reisen können und es dort nicht mehr so heiß sein soll. Die Idee von der Anreise im eigenen Auto wird bald verworfen, wir suchen und finden einen günstigen Flug bei Iberia für 206€ und buchen einen Mietwagen ab Sevilla.

Sevilla - Plaza EspanaDer Hinflug verläuft einwandfrei, Thorben verträgt die ungewohnte Art der Fortbewegung ohne Murren. Nach etwas Suchen können wir auch den Mietwagen bei der außerhalb des Flughafens liegenden Mietwagengesellschaft übernehmen. Die erste Nacht bleiben wir auf einem nicht empfehlenswerten Campingplatz in einem Vorort von Sevilla (Dos Hermanas), weil Sevilla keinen Campingplatz hat.

Am kommenden Vormittag suchen wir uns erfolgreich, aber nach langer Irrfahrt durch chaotische Verkehrsführung und viele Baustellen, ein Zimmer in Sevilla und checken mittags im Dona Feli ein, einem sehr netten Hostal. Von hier aus erkunden wir zu Fuß und Buggy mit Thorben die Stadt. Sevilla gefällt uns sehr. Es gibt eigentlich nichts Spezielles, die Stadt hat einfach Flair. Wir schauen uns die Kathedrale an, ihr Kirchturm hat eine Rampe. So können wir tatsächlich mit Buggy bis fast ganz auf die Aussichtsplattform fahren. Der Blick ist wirklich schön und weit. Beeindruckt hat uns auch die Größe und Weitläufigkeit der Plaza Espana am Rande der Innenstadt.

Cordoba - MesquitaAuf dem Weg nach Cordoba schauen wir uns Carmona an, ein beschauliches Städtchen, das in unserem Führer gepriesen wird, aber nichts Besonderes ist. Unterwegs können wir auf der Landstraße in einem Lokal Mittag für 9€ einnehmen, dazu noch die Getränke für jeweils 1€. Das Preisniveau ist wirklich niedrig. In Cordoba suchen wir dank mieser Ausschilderung eine ganze Zeit den Campingplatz. Wir nehmen den nächstgelegenen zur Stadt mit Busanschluß. Es ist leider nur ein Sandplatz, der eher staubig ist. Nach dem Aufbau fahren wir noch zur Medina Al Zahra, einer wirklich schön gelegenen Stadtruine aus der Maurenzeit, bei der man sich mit Blick über das weite Land vorstellen kann, warum diese Lage gewählt wurde.

Am nächsten Morgen nehmen wir den Bus in die Stadt und schlendern durch die Fußgängerzone in Richtung Altstadt. Dort können wir uns für 8€/Person die Mesquita anschauen, eine ehemalige Moschee, in die nach der "Befreiung" eine Kathedrale gebaut wurde, zwei Baustile, die nicht wirklich zusammen passen. Uns gefällt die Stadt ansonsten nicht so gut wie Sevilla, es gibt nicht so viel zu sehen und im wirklich schönen Bereich ist es voll mit Touristen.

Granada - AlhambraAuf dem Weg nach Granada am nächsten Tag machen wir eine Pause am Kloster St. Virgen hoch oben auf einem Berg. Es hat eine atemberaubende Aussicht, die wir alleine genießen können. Es ist nichts los, der Vorteil der Nachsaison. Um Granada herum können wir die Umgehung nehmen und finden relativ leicht den Campingplatz "Reina Isabel" in  La Zubia. Es gibt ein Schwimmbad, das auch mal offen hat (wie wir noch feststellen müssen, ist das in der Nachsaison eine Seltenheit), und wir können uns und Thorben ein Bad zum Abkühlen gönnen. Es ist immer noch an die 30°C warm, als wir um 18:00 aufgebaut haben.

Die Idee am nächsten Tag (Sonntag) mit dem Bus zur Alhambra hoch zu fahren, ist nicht gut. Wegen eines Radrennens sind alle möglichen Buslinien geändert und gekürzt, und wir brauchen über zwei Stunden bis zum Eingang. Als wir um 11:00 ankommen, gibt es nur noch Tickets für den Nachmittag. Wir schlagen die Zeit im gegenüber liegenden, erstaunlich günstigen und guten Restaurant mit einem Frühstück und anschließendem Mittagessen tot und erledigen unsere Urlaubspost. Das Warten lohnt sich, die Alhambra ist wirklich ein Muß. Durch die begrenzte Besucherzahl und das Entzerren der Besucherströme kommen die Ruhe und Schönheit dieser Anlage, wie auch die Verzierungen erst richtig zur Wirkung. Ein Traum aus 1001 Nacht. Hier könnten wir es uns auch gut gehen lassen. Die Rückkehr ist dann durch die Busausfälle weniger entspannend, aber wir entschädigen uns in La Zubia in einer der Tapas-Bars mit einem ausgleichenden Mahl.

Die Stadt besichtigen wir am nächsten Tag. Es fällt auf, daß es sehr viele Bettler gibt. Es ist eine lebendige Stadt mit vielen ruhigen Seitengassen. Die Kathedrale ist leider gebührenpflichtig, etwas dass wir ansonsten gar nicht kennen (3,50€/Person). Sie wirkt durch den weißen Stein sehr luftig und leicht. Wir erklimmen auch das schön beschriebene, aber sich uns als total leblos darstellende Altstadtviertel. Das Highlight hier ist der schöne Blick auf die Alhambra, Nachteil die extrem  hohen Preise der umliegenden Lokale. Insgesamt finden wir, daß sich ein kompletter Tag Granada-Stadt nicht gelohnt hat.

Am nächsten Tag reisen wir ab, fahren aber noch einmal auf die Sierra Nevada hinauf, soweit es geht. Vor 13 Jahren kamen wir mit Motorrädern weiter. Der Weg über die Sierra ist gesperrt und inzwischen verboten zu fahren. Über kleine Nebenstrecken (herrliche Motorradstrecken, wie wir wehmütig erkennen) geht es über Tabernas (hier die uns inzwischen angewöhnte Siesta), Nijar und Campohermoso in das Naturschutzgebiet Cabo de Gata. Vorher müssen wir noch durch die Plastiklandschaften der Gewächshäuser, die in ihrer Ausdehnung schon etwas Bedrohliches haben. Das Naturschutzgebiet ist schön, auch wenn es durch die lange Sommertrockenheit die Einheitsfarbe grau/braun angenommen hat, aber bei genauerem Hinsehen entdeckt man doch genug Leben. In San José finden wir einen Campingplatz. Ein netter Platz, vor allem ist er nur einen Kilometer vom Meer entfernt und am Ortsrand gelegen. Wir relaxen etwas, gönnen Thorben ein wenig Ruhe, machen dann aber doch einen Tagesausflug an den Salinen und den Gewächshäusern vorbei zum Cabo de Gata. Es ist eine Felsenspitze wie viele andere, nur steht hier ein Leuchtturm und es ist ziemlich windig.

 Als wir am nächsten Morgen einpacken, fängt es an zu tröpfeln. Die Einheimischen begrüßen das als Auftakt für den hoffentlich bald größer einsetzenden Regen, es wäre der erste Regen nach Monaten. Am Abend vorher war es schon zu windig für den Strand. Wir fahren bei Almeria (die Touristenburgen gefallen uns überhaupt nicht) hoch in die Berge. Wir wollen durch die Alpujaras parallel zur Küste Richtung Ronda fahren. Kurz nachdem wir die Küste verlassen haben, fängt es an zu schütten. Wassermassen! Wir sind nicht so glücklich diesen ersten Regen nach dem Sommer mitzumachen, weil sich auf der Bergstrecke immer wieder Flüsse quer über die Straße bewegen und Steine und Geröll mitspülen. Wir nehmen bald ein Zimmer im Hostal in Cadiar für 25€. Duschen ist leider auch nicht, weil das ganze Brauchwasser verschmutzt ist.

El TorcalAntquera - HünengräberDas ist auch am nächsten Morgen noch so, aber die Sonne scheint wieder und wir machen uns frohen Mutes auf den Weg. Bei diesem Wetter wirken die Alpujaras gleich viel freundlicher und imposant, eine wilde Gebirgslandschaft durch die sich eine supertolle kurvige Straße schlängelt. Irgendwann müssen wir runter an die Küste und stehen kurze Zeit später im Stau. Im Schritttempo schieben wir uns durch einen kleinen Küstenort, der offensichtlich von einer Schlammflut heimgesucht wurde. Die Leute stehen wadentief im Schlamm und versuchen in der Mittagssonne das Chaos zu beseitigen. Bei Velez Malaga fahren wir wieder hoch in die Berge. Den Nationalpark El Torcal mit seinen auswaschenen Steinstrukturen erkunden wir bei einem Spaziergang. In Antequera nehmen wir uns mangels Campingplatz wieder eine Pension, das Hostal "Numero Uno" für 35€. Wir schlendern abends durch den unerwartet schönen Ortskern und speisen abends im Hostal.

Durch die Berglandschaft geht es nach El Chorro an einen Stausee, wo wir uns von unten den Camino del Rey anschauen, einen mutig an der Wand hängenden Weg, der in früheren Zeiten durch die Schlucht führte. Ein Stück weiter liegt in den Bergen die frühere Festung von Bandenführer Bombastro. Wir genießen vom Aussichtspunkt ganz oben den schönen Rundumblick und schauen uns die Reste seiner massiven Steinkirche an. Nach einer kurzen Siesta geht es weiter über El Burgo über extrem viele Kurven nach Ronda. Dort schauen wir uns alle Campingplätze an, entscheiden uns für den 3km südlich liegenden "El Sur". Hier gibt es endlich mal wieder einen geöffneten Pool. Abends essen wir im Viertel San Francisco außergewöhnlich gut im "Casa Maria", einem Restaurant ohne Speisekarte.

Ronda - Ponte NuevoMorgens fahren wir mit dem Auto nach Ronda und parken es kurz vor der Stadt im gleichen Viertel. Der alte Teil von Ronda ist auf einem Felsen gebaut und wenn man mal an der Ponte Nuevo zum "Rest des Landes" steht, sieht man erst, wie hoch man sich über der Ebene befindet. Wir machen die üblichen Fotos an der Brücke, schauen uns die anderen Aussichtspunkte an und genießen die Zeit. Die Fußgängerzone ist auch ganz nett, wir finden einen Sonnenschirm für den Kinderwagen. Nach einem ziemlich schlechten Touri-Mittagessen gehen wir über die alte Brücke im Tal durch ebensolches zurück zum Auto. Nach einem netten Abend in der Tapas-Bar an unserem Lieblingsplatz geht es zurück zum Zeltplatz.

Morgens kommen wir früh los. Wir fahren erst auf der sogenannten Straße der weißen Dörfer (es gibt hier allerdings unserer Meinung nach nicht mehr weiße Dörfer als sonstwo in Andalusien) über tausend Kurven nach Castillar de la Frontera, einem von Hippies restaurierten Dorf. Es ist zwar schön anzuschauen, aber allgemein etwas leblos. Die Lage und der Blick läßt uns allerdings verstehen, wie man sich in so einen Ort verlieben kann und so viel Arbeit hinein steckt.

Unten an der Küste fahren wir nach Gibraltar, sparen uns aber den Grenzübertritt angesichts der Schlange an der Grenze und dem Studium des Reiseführers, der die Kosten für z.B. den Besuch des Affenfelsen auflistet. Wir begnügen uns mit einem Blick auf den Felsen, wenden und fahren wieder gen Westen. An einem Aussichtspunkt entlang der Küstenstraße haben wir noch einen beeindruckenden Blick auf Afrika und das Atlasgebirge. Wir klappern alle Campingplätze entlang der Küste ab und enden schließlich nördlich von Conil auf dem Campingplatz "Cala del Aceite". Er ist ganz schön, nett schattig, aber fast menschenleer. Den Pool können wir am Abend noch einmal benutzen, danach wird auch er winterfest gemacht.

Castelar de la FronteraNach einem Vormittag Strand verbringen wir den Rest des Tages in Conil. Es ist ein netter Ort, nett normal sozusagen, aber eigentlich nichts Besonderes. Eine Restaurantempfehlung aus dem Führer stellt sich als richtig gut heraus, das Casa del Manolo, wo wir für 36€ zusammen einen großen Boquete (?) essen, eine Fischspezialität aus den heimischen Gewässern.

Wir finden den Strand nicht schön genug für mehrere Tage und fahren am nächsten Tag weiter nach Puerto de la St. Maria, wo wir auf den kurz hinter dem Ort liegenden Campingplatz "Las Dunas" gehen. Auch hier ist der Pool schon geschlossen, aber der Platz ist schön gelegen und nur durch die Straße vom Meer getrennt. Das nutzen wir gleich. Nachmittags gehen wir auch noch in die Stadt, probieren "Romerijos" aus, eine weit bekannte Fischbraterei, die uns aber wegen der Kantinenatmosphäre nicht begeistert.

Bei der Touristeninfo reservieren sie uns einen Platz für die deutsche Führung bei Osborne, einer der vielen örtlichen Sherry Bodegas. Die Führung ist sehr interessant, am Ende gibt es Sherry satt für jeden Geschmack. Eigentlich wollen wir hier ein paar Strandtage einlegen, aber das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung. Es stürmt teilweise, so dass es uns das Zelt aus dem weichen Boden zieht und Wolkenbrüche verwandeln den Platz in ein Pfützenmeer. Wir rufen bei Iberia an und können kostenfrei unseren Rückflug umbuchen. Die verbleibenden zwei Tage übernachten wir in einer netten Pension mit einem schönen Innenhof im Herzen der Stadt, machen einen Tagesausflug mit der Fähre nach Cadiz und genießen insgesamt das spanische Leben mit Tapas und Sherry bis in die Nacht hinein. Thorben genießt mit, bei 25°C um 22:00 schläft er einfach irgendwann im Kinderwagen ein.

Spanien verabschiedet sich mit Regen in Sevilla und Madrid, den Mietwagen können wir mit Rückerstattung zurück geben. Thorben übersteht die Flüge schlafend. Das größte Problem ist die Fahrt vom Flughafen nach Hause. Wir waren der irrigen Annahme, daß Taxis auch Babyschalen haben. Aber es gibt nur Sitzkissen, die für größere Kinder geeignet sind. Wir fahren schließlich mit Bus und Bahn, was dank günstiger Anschlüsse recht schnell geht.

Der erste Urlaub mit Kind! Es ist doch etwas anders, auch wenn wir uns nicht so sehr eingeschränkt haben. Thorben wurde einiges zugemutet, weil wir uns viel angeschaut haben. Er hat sich nie beschwert und war auch sehr interessiert, hat auch die Herzen aller Spanierinnen gebrochen, die ihn und sein Lächeln ins Herz schlossen. Das war auch für uns oft ein Türöffner, da Spanien sehr kinderlieb ist. Milchfläschchen auffüllen in irgendeiner Bar war 90% umsonst und beim Rausholen eines Gläschens brauchte man kaum etwas zu sagen, es wurde sofort aufgewärmt. Auch das Zelten mit unserem 9 Monate alten Guapo war streßlos, er hatte sein Schaffell als Unterlage, auf dem er im Schlafsack schlief. Gläschen gab es in jedem Supermarkt. Allerdings, noch lieber als Gläschen aß Thorben  bei uns mit, und so fütterten wir ihn nach der Babykost mit allem, was die Tapaswelt hergab. Er vertrug alles. Windeln waren ebenso kein Problem. Pampers gab es nicht, ist aber sowieso nicht unbedingt unsere Hausmarke. Andere Windeln halten auch dicht.

Touristisch war Andalusien wie erwartet. Sevilla, Granada und Ronda waren die Highlights, Cordoba mit seiner Mesquita gefiel uns auch gut, war aber irgendwie zu touristisch herausgeputzt. Die Alpujaras waren einfach klasse wegen ihrer Landschaft, genauso wie das Cabo de Gata, wenn auch in komplett anderer Weise. Cadiz fiel in unserer Wertung wahrscheinlich ab, weil wir es am Sonntag erlebten, als überhaupt nichts los war.
Flüge waren OK, nur das Platzangebot (Beinfreiheit) fiel etwas dürftig aus. Der Mietwagen von Goldcar war einwandfrei.


Eric Thane
Oktober 2007

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