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(E N D U) R U M A N I A   2 0 0 3

Kommt mir irgendwie bekannt vor, stehe an einer Autobahnraststätte, und es schüttet wie aus Kübeln. Vor ziemlich genau sechs Jahren war ich in der gleichen Situation, wir waren auch damals auf dem Weg nach Rumänien/Bulgarien und die Anfahrt begann ziemlich verregnet. Diesmal soll es nur nach Rumänien gehen und aus Erfahrung und weil wir - Hille mit ihrer DR 650 und ich – etwas offroad fahren wollen, nehme ich meine XL 600RM mit dem großen LM Tank. Aber ausgerechnet zu unserem Urlaubsanfang Ende August endet die monatelange Hitzeperiode in Deutschland, und so haben an unserem ersten Tag gleich meine neuen Goretex Stiefel einen Härtetest zu bestehen.

Bei
                Sonne durch UngarnNach einer warmen Nacht in einer Gaststätte (typisch Deutsch – Möbel wie vom Sperrmüll für sagenhafte 55€) sieht das Leben schon wieder angenehmer aus. Die Sachen sind getrocknet, der Himmel ist nur noch bedeckt. Vor der Grenze besorgt sich Hille noch Regenüberschuhe für ihre neuen Crosstiefel, die den Dichtigkeitstest gestern nicht bestanden haben.

Am kilometerlangen Stau der Schnäppchenjäger am Grenzübergang Fürth fahren wir vorbei und sind so schnell in Tschechien. Beim ersten Tanken können wir unser Regenzeug ausziehen und beim nächsten Tanken fällt mir gleich mal meine XL um, und ich kann die Aufhebeübung aus dem  Endurotraining vom letzten Wochenende mal am voll beladenem Motorrad praktisch umsetzen. Bei Brno nehmen wir abends ein Hotelzimmer, wo wir uns im angeschlossenen Restaurant verwöhnen lassen. Unsere Motorräder stehen derweil sicher in der Veranstaltungshalle. Den nächsten Tag geht es auf Nebenstrecken durch Tschechien und die Slowakei bis südlich von Budapest.
Hille laboriert immer noch mit einer Entzündung herum, so daß wir entscheiden in Ungarn noch einen Ruhetag einzulegen. Im 150km entfernten Mesökovesd mieten wir eine kleine Ferienwohnung und relaxen am nächsten Tag.

Dann geht es wieder los - im Sauseschritt zur rumänischen Grenze. Mit den rumänischen Kleinbussen können wir allerdings kaum mithalten, die fahren, als ob die Grenze bald schließt. Der Grenzübertritt macht keine Probleme, die erst Tanke ist unsere. Auf der Straße nach Satu Mare schlüpfen wir durch eine Radarfalle, entweder haben die Jungs geschlafen oder die Motorräder waren nicht meßbar. Jetzt sind wir vorsichtiger. In Satu Mare wird Geld getauscht und eine Ehrenrunde durch die Stadt gefahren, bis wir den richtigen Weg nach Baia Mare gefunden haben. Dort folgen wir den Schildern Tourist Complex+Camp und landen bei einer Cabana, einem Hotel, in den Bergen bei Ferneziu. Nach einem Spaziergang am See entlang ist es ist in der untergehenden Sonne immer noch so angenehm, daß wir draußen essen können. Rumänien – wir sind da.

Morgens gibt es Omelette und Kaffee. Wir haben uns vorgenommen, die zweithöchste Holzkirche Rumäniens in der Nähe in Sudesti anschauen, sehen sie aber beim Durchfahren durch das Dorf nicht und beschließen, daß sie dann ja wohl nicht so groß sein kann. Auf der Weiterfahrt auf einer Abkürzung über Botiza/Sacel/Moisei kriegen wir, weswegen wir hier sind – eine schöne 15km Schotterpassage bis zur nächsten Hauptstraße. Die Strecke macht richtig Spaß, und wir bedauern es fast, wieder auf geteerte Wege zu kommen. In Moisei tanken wir, stärken uns mit einer Hühnersuppe und wollen auf einer weiteren Nebenstraße der Grenze folgen. Aber irgendwie finden wir nicht den richtigen Weg und drehen nach 10km Betonpiste mit Fahrbahnausbrüchen - auch angesichts der aufziehenden dunklen Wolken - um. Auf dem Weg nach Suceava frieren uns auf dem Cascada Paß fast die Hände ab, und wir sind froh in Guru Humoruloi eine nagelneue Pension mit allem Komfort zu finden. Abends gibt es erst die Spezialität des Hauses, Fleischplatte mit Polenta - lecker, dann ein kleines Akkordeon Live Konzert. Wir fühlen uns wohl.

Abendstimmung im DonaudeltaDer obligatorische Blick aus dem Fenster am Morgen – es nieselt. Das bedarf einer Planänderung, aus unserer Nord-Süd Durchquerung der Ostkarpaten wird nichts, wir wollen lieber ins Trockene und nehmen uns das Donaudelta als Ziel. Bis Galati geht es ereignislos durch weite Ebenen auf geraden Straßen, bei Braila per Fähre über einen der Donauarme. Wir wollen eine Übernachtungsmöglichkeit auf der D22 suchen, einer Nebenstrecke nach Tulcea. Die Strecke ist zwar wunderschön, das Donaudelta hügeliger als gedacht, aber zum Übernachten gibt es hier nichts. Zum Schluß haben wir auch noch in beginnender Dunkelheit mit einer schlechten Betonpiste kurz vor Babadag zu kämpfen. In Babadag suchen wir dann das einzige Hotel des Ortes auf, wie sich rausstellt, ein reinrassiges Überbleibsel aus sozialistischen Zeiten, aber die 520km reichen für den Tag.

Fix
                durchs DonaudeltaNach einer Nacht voller Mücken und Hundegeheul scheint morgens die Sonne. Eine warme Dusche müssen wir uns auch abschminken, es gibt kein warmes Wasser. Diesmal wählen wir trotz des Superwetters den einfachsten und schnellsten Weg nach Murighiol, was wir uns als Ausgangspunkt für einen Ausflug ins Donaudelta ausgesucht haben. Der Campingplatz dort hat aber auch kein warmes Wasser und eine zweite Nacht wollen wir nicht drauf verzichten. Das daneben liegende Hotel erinnert uns fatal an das letzte. Wir folgen noch einer Campingplatzausschilderung, die uns zwar auf Sandwegen ins Donaudelta führt, aber leider nicht zu einem richtigen Campingplatz, eher eine Platz, wo einige Einheimische zeltenderweise das Wochenende verbringen. Am Ende einer gut ausgebauten Schotterpiste finden wir schließlich in Dunavatu de Jos das Hotel Flamingo, es hat alles was unser Herz begehrt. Der Besitzer bietet uns eine 3-Stunden Tour für 120€ an, wir finden das sehr teuer, wollen aber, wenn wir schon mal hier sind, doch die vielgepriesene Vogelwelt sehen. Nach etwas Handeln sind wir bei 100€ und nach einer erfrischenden Dusche geht es in einem kleinen Motorboot, gesteuert von seinem Gehilfen, los. Der fegt mit einer Geschwindigkeit durch die Kanäle, daß ich einerseits froh bin meine winddichte Motorradjacke anzuhaben, andererseits aber alle Vögel nur aus der Ferne sehe, weil sie – aufgeschreckt durch das Motorgeheul – vor unserer Vorbeifahrt wegfliegen. Nach einer Stunde hat die wilde Hatz ein Ende, der Motor stirbt. Zum Glück hat unser Fahrer ein Handy dabei und ruft seinen Chef an. Zwei Stunden haben wir Ruhe und können die Natur beobachten, dann kommt der Chef, nimmt uns ins Schlepptau, und wir tuckern zurück. Es ist schon fast dunkel und fängt an zu regnen, als wir wieder anlegen. Das Essen, das die Hausherrin zubereitet, entschädigt voll für das entgangenen Ziel unseres Ausflug.

Ruhe im
                DeltaAuf NebenstreckenBei strahlendem Sonnenschein brechen wir morgens auf, fahren auf kleinen geschwungenen Nebenstrecken nach Agighiol. Irgendwann packt es uns, und wir probieren einen der Feldwege aus, der nach Westen führt. Wir wollen wissen, ob es nicht doch eine Verbindung zwischen den beiden parallel verlaufenden Straßen gibt. Und ohne uns zu Verfahren, finde ich einen Weg auf teilweise ausgewaschenen Feldwegen bis zur 22. Wir fühlen uns wie Entdecker. Eine der Fahrspuren bringt Hille aus dem Konzept, so daß sie danach Rumänien nur noch mit einem Rückspiegel befährt.

Nördlich von Constanza kommen wir durch große Feriengebiete, auch mit Campingplätzen. Das ist uns allerdings zu touristisch oder von der Lage her nicht angenehm, wir suchen südlich in Eforie erfolglos nach einem Platz. Irgendwann reicht es, und ich fahre vor zu dem alten Platz in Jupiter, der damals schon ganz brauchbar war. Es gibt ihn tatsächlich immer noch, wenn auch ziemlich modernisiert. Was sich allerdings nicht geändert hat ist das sozialistische Zuteilungssystem, heißes Wasser nur eine Stunde morgens und eine weitere abends. Das erste Mal zelten wir in diesem Urlaub. Wir wollen noch einen Tag Pause machen und vergammeln ihn am Strand. Die Temperatur ist angenehm, die Sonne scheint, durch den starken Wind ist es recht frisch. Abends kochen wir mal was Leckeres mit Gemüse, eine Abwechslung hier, wo man alles nur fleischhaltig und gegrillt bekommt. Dafür sind die Tomatensalate göttlich, nicht zu vergleichen vom Geschmack her mit denen zu Hause. Irgendwann geht das Bier aus, wir versuchen erst eine Bar mit brauchbarer Musik zu finden, geben aber auf und setzen uns nur mit Bier an den Strand.


ZiehbrunnenSchlammwulkanDer Himmel morgens ist nicht sehr vielversprechend, auf kleinen Straßen fahren wir nach Westen in Richtung Donau. Es wird so warm, daß wir schließlich die Innenfutter aus den Jacken ziehen können. Einige unbefestigte Straßen sind dabei, auf denen wir unser Können immer wieder mal versuchen. An einem Ziehbrunnen machen wir Pause, aber so viel Vertrauen wie die beiden Bauern, die erst selbst und dann ihr Pferd trinken lassen, haben wir nicht. Über Rasova, Cernavoda und Feresti geht Richtung Tandarei ab. Nach etwas Suchen finden wir bei Buzau gleich hinter dem Fluß die Abzweigung nach Beceni. Hille will auch mal die Schlammvulkane sehen und ist gespannt auf die Offroad Strecke, die dort hoch führt.

Nach etwas Fragen in Alceni finden wir schließlich den unbeschilderten Abgang von der Hauptstraße, der direkt als Sandweg anfängt. Wir pausieren und rätseln noch mal, ob es klug ist jetzt noch hoch zu fahren, es ist immerhin schon 17:30. Aber wenn es uns nicht gefällt, können wir immer noch zum Motel nach Buzau zurück, denken wir uns und schottern los.

Die Strecke macht Sauspaß, ich erkenne sie teilweise wieder und kann gar nicht begreifen, daß wir das damals mit Straßenmotorrädern gemacht haben. Mit der XL ist es wie Schwimmen im Wasser. Abschnitte sind inzwischen auch betoniert, und es wird weiter ausgebaut. Der touristische Wert ist wohl erkannt worden. Nach 12km oben angekommen zeigt ein Blick in die Runde, daß sogar hier oben der Tourismus eingezogen hat. Es gibt einen Versorgungskiosk, der sogar noch auf hat und eine Zeltmöglichkeit mit Klo bietet. Wir jubeln, das paßt ja super. Nach dem Herumschlendern um die Vulkane kochen wir und meditieren bei Bier in den Vollmond.


XL am VulkanMorgens hämmere ich mit der XL noch etwas durch die Landschaft, die sich mit diversen kleinen Wegen dafür anbietet. Auch ein Foto mit der XL direkt an den Vulkanen will ich haben, wer weiß wie lange es hier noch so ungezwungen zugeht. Danach brechen wir auf, finden aber nicht mehr exakt den gleichen Weg hinunter und kommen auf einer erheblich humaneren Piste in Berca raus. Dort wird erst mal richtig eingekauft und gebruncht. Über die Brücke rüber (es gibt hier sogar ein Schild zu den Vulkanen Noroiosi) und auf die Nationalstraße eingebogen. Die ist aber auf den ersten 10km eher ein Ausklingen unseres Enduroausflugs, sie ist gespickt von nicht asphaltierten Stellen und Ausbrüchen. Trotzdem geht es in zügiger Fahrt auf kurviger Strecke durch die Gebirgslandschaft nach Brasov, wo wir uns einen Wandertag vorgenommen hatten. Poina sollte unser Ausgangspunkt sein. Beim Suchen einer Unterkunft müssen wir uns wieder an  heimische Preisdimensionen gewöhnen, Zimmer gibt es ab 50€ aufwärts. Aber unser beharrliches Suchen zeitigt Erfolg, und wir können in einem Hotel für 550.000Lei  (ca. 15€)  unterkommen. Äußerlich etwas runtergekommen, sind die Zimmer und die Gemeinschaftsdusche aber sauber. Der Wandertag fällt etwas kürzer aus, leider regnet es den ganzen Tag.

Wir kommen morgens fast zeitgleich mit dem Kellner ins Restaurant, es gibt das Übliche (inzwischen sind wir sicher, daß Omelette zum Frühstück ein rumänisches Nationalgericht sein muß). Sigishoara haben wir uns als Tagesziel gestzt, aber dort angekommen ist es uns doch etwas zu früh, um schon wieder abzupacken, und wir fahren weiter zu dem 30km entfernten Biertan mit der größten erhaltenen Wehrkirche in der Gegend. Sie ist schon recht groß, aber ich hatte eigentlich was Größeres erwartet, weil ich dachte, die hätten damals das ganze Dorf zum Schutz aufnehmen können. Vor der Kirche versorgt uns noch ein englisches BMW Fahrer-Pärchen mit den Resten ihres Imbisses, und wir tauschen Erfahrungen aus und stärken uns auch erst einmal. Eigentlich erwarte ich bei der Weiterfahrt durch den Ort noch eine Abzweigung, aber irgendwann ist auch mir klar, daß wir zu weit Richtung Süden unterwegs sind. Bei Richi kommen wir auf ein kurzes Stück Offroad, was im beginnenden Regen nur bedingt Spaß macht, bevor wir die Landstraße nach Agnita und zurück nach Sigishoara nehmen können. In Sigishoara müssen wir lange suchen, bevor wir was finden. Pensionen sind nicht auffindbar, der Campingplatz irgendwo im Gewerbegebiet findet nicht unsere Gnade, der Rest ist voll – es ist eng im Ort. Etwas außerhalb finden wir endlich das Hotel Poienita, daß uns für 25€ aufnimmt.

Nach Auspacken geht es mit dem Taxi ganz korrekt (und günstig) nach Taxameter in die Stadt. Durch kleine Gassen und über die überdachte Treppe geht hoch zu den Wehranlagen, den ältesten Siebenbürgens. Das Museum im und der Blick vom Stundturm gefallen uns besonders. Das Kontrastprogramm bietet der Blick im Internetcafé in die Mail, doch für einen Wettercheck ist das Netz einfach zu langsam.


SchlammproblemeRömerstraßeAuf dem Weg nach Sibiu zu fahren entscheiden wir doch, wieder Richtung Norden zu den Bergen Muntii Gulau fahren. Die Gletscherhöhle Ghetarul Scarisoara ist unser Ziel. Über Blaj und Tein geht es bis Aiud, wo wir dann auf noch kleinere Strecken abbiegen, laut Karte ist ein Abkürzung möglich.

Erst hoppeln wir auf einer schlechten Betonpiste voran, die geht dann in Schotter über. Das macht mehr Spaß. An einer Kreuzung bei Brandesti schicken uns Umherstehende nach rechts, wo es Richtung Salcina de Jos gehen soll. Es geht eine ganze Zeitlang weiter, dann wird der Weg schlechter und wird immer unbefestigter mit Wiese und Pfützen. Das ist nichts für unsere Reifen. Schließlich endet er an einem Hof, von wo der Weg nur noch als Trampelpfad für Kühe weitergeht – Ende.

Der zweite Versuch ist eine Abzweigung auf der Strecke, die auf einen alten, teilweise gepflasterten Weg führt. Sieht aus wie eine alte Römerstraße, führt nur nicht so weit. Bauern raten uns ab weiterzufahren, das wäre nicht unsere Richtung. In Brandesti gibt man sich erstaunt, daß wir nicht durchgekommen sind, und wir nehmen Alternative 2, die uns über Mogos weiterbringen soll. Erstaunlicherweise kommen wir durch Ponor, von wo auch eine Straße nach Salcina gehen soll. Wir versuchen es und enden an Flußdurchfahrten. Wieder umgedreht und weiter Richtung Mogos, aber schließlich brechen wir ab, als die Straße zum Weg mit ausgefahrenen Schlammspuren wird. Jetzt schnell wieder zurück Richtung Hauptstraße, wo wir vor drei Stunden gestartet sind, es ist schon 17:00. In Albu Iula hat man nichts in unserer Preislage (40€ aufwärts), aber ein Stück nördlich finden wir im Hotel für 850.000Lei (ca. 24€) Unterkunft. Das Schweinegulasch ist nicht besonders, das Gezapfte entschädigt aber dafür. Das war eine eigentlich ziemlich sinnlose Tour, aber hat Sauspaß gemacht und die Landschaft war klasse. Das Panorama erinnerte uns an Österreich. An den Häuser, an denen wir vorbei kamen, sind die letzten 100 Jahre spurlos dran vorbei gegangen.

Kloster CoziaUns weckt die Sonne. Wir holen die Motorräder hinter dem Haus hervor, und ich kann mit drei ausgeliehenen Spaxschrauben (Badezimmertür Zimmer 109, Hotel Tara) mein eingerissenes Nummernschild wieder sicher fixieren. In Sebes geht es in die Südkarpaten. Bis Sugag geht es recht nett voran, dann wird die Straße leider wieder zu Betonemmentaler. Die Strecke nach Oasa ist gut ausgeschildert. Leider fängt es wieder mal an zu regnen, und es kalt wird. Als wir auf dem Paß ankommen, kommen uns die Regentropfen schon fast in Schneeform entgegen. Und das gerade hier, wo es mal schottermäßig wieder was zu erleben gibt. Als wir bei Obrasia Lotrului an der Hauptstraße nach Brezoi ankommen, brauchen wir erst mal eine Suppe im einzigen Restaurant zur Aufwärmung. Die Strecke runter nach Brezoi ist klasse, kurvig führt sie durch Wälder und Stauseen vorbei. Leider geschottert, aber inzwischen wissen wir ja, daß die Welt nicht untergeht, wenn es etwas rutscht.

Kurz hinter Brezoi liegt das Kloster Cozia an der Strecke und da Hille das noch nicht kennt, besichtigen wir diese über und über bemalte Kirche aus dem 14. Jahrhundert, deren Farben strahlen wie neu. Im Kerzengewölbe wärmen wir uns noch kurz auf, dann geht es weiter Curtea de Arges. Wir nehmen gleich hinter Cozia eine kleine asphaltierte Strecke über Salatrucel und Cepari. Aber kurz hinter Salatrucel hört der Asphalt auf. Wir sind irritiert, aber Nachfragen ergeben, daß wir schon auf dem richtigen Weg sind. Ein dummes Huhn ist wohl Motorräder nicht gewöhnt und läuft mir direkt vor das Hinterrad, schade, lieber schnell weiter. Wir haben fast 30km unbefestigte Nebenstraßen hinter uns, auf denen wir uns austoben können, als wir in Curtea de Arges ankommen. Wir finden nur ein Hotel in der City, das 1.000.000Lei (ca. 30€) kosten soll. Ich erkenne es wieder, das letzte Mal hatten wir hier Handtücher mit Löchern. Wir schauen uns die berühmte Kirche mit den verdrehten Türmen ohne Eintritt vom Eingang aus an, weil wir doch weiter wollen. Kurz vor Ramnicu Valcea finden wir eine private Pension. Die Hausherrin bekocht uns noch lecker und bringt uns frische Pflaumen und Weintrauben aus dem Garten als Nachtisch.

Rauf zum Urdele
                PaßXL 600 LMIn der Nähe liegt Horezu, ein weiteres Kloster, ebenfalls bekannt durch seine gut erhaltenen, exzessiven Malereien, das zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Es ist ziemlich groß, es ist sehr gepflegt, kommt aber nicht so gut rüber wie Cozia. Im Ort spricht uns ein Deutscher an, der hier in der Gegend eine private Unterkunft für Motorradfahrer hat und lädt uns auf einen Kaffee ein. Er erzählt uns von vielen kleinen Schwierigkeiten, ewigen Nachbarschaftsstreits und der Korruption, hört sich nicht so begeistert an. Seine Frau bekocht uns währenddessen.

Irgendwann eisen wir uns los und fahren weiter nach Novaci, wo wir bei strahlendem Sonnenschein in die Berge nach Ranca abbiegen. Bis Ranca ist die Strecke traumhaft, immer ansteigend hinauf in die Berge auf einer gut ausgebauten kurvigen Strecke mit Blick über die weiten Ebene im Süden. Hinter dem Ort beginnt, wie angekündigt, der Schotter und der weitere Aufstieg über den Urdele Paß. Es geht harmlos los, dann Serpentinen, irgendwann verengt sich die Strecke und die Steine werden größer. Kurz bevor wir in die Wolken kommen, machen wir noch eine Rast und genießen die grandiose Aussicht. In den Wolken geht es immer am Berg entlang, bis die Piste schließlich wieder Richtung Tal führt.

Als wir die Baumgrenze erreichen, geht es auf Waldwegen weiter, die leider etwas schmierig sind. Richtig schmierig wird es, als wir auf die Waldarbeiter treffen, die mit ihren riesigen Holztransportern die Wege zu Brei verarbeiten. Und richtig überrascht sind wir in einem der Arbeiter den Kellner aus dem Restaurant aus Obrasia Lotrolui wiederzuerkennen. Ein „Hallo“, dann geht es aber schon weiter zur „Hauptstraße“, die nach Petrosani führt. In die andere Richtung sind wir sie ja schon gestern gefahren, gen Westen ist sie aber bis kurz vor Petrosani geschottert. In Petrosani fahren wir nach Norden, um aus den Bergen rauszukommen und eine Pension zu finden. Es geht schnell und kurvig nach Hateg, wo wir die Auswahl zwischen drei Pensionen haben. Was für eine klasse Strecke war das, für sowas sind wir hier.

XL braucht
                ein LätzchenAuf dem Weg nach Petrosani kaufen wir in einem Markt ein und frühstücken in dem Café nebenan. Beim Losfahren ereilt mich das Pech und eine Wespe, die meinen gelben Helm so schön findet, verirrt sich zwischen Helm und Hand und sticht zu – Autsch! Wir fahren weiter an Petrosani vorbei und biegen in Vulcan ab, wir wollen versuchen auf Nebenstrecken über die Berge zu kommen. Die an der Straße aufgereihten Orte wirken extrem trostlos, ehemaliger Bergarbeitersiedlungen, die nicht zum Anhalten einladen. Erst hinter Valea de Pesti wird es leerer und die Straße wird zu einer großen Sandpiste, die irgendwann in einen gut ausgebauten Waldweg übergeht. Unsere Karte ist nicht so genau, so fragen wir in der Cabana in Campusel, ob wir überhaupt auf dem richtigen Weg sind und es einen Weg auf die andere Seite gibt. Der total freundliche Einsiedler, der hier von Jagdgesellschaften lebt, muß uns leider enttäuschen, der Weg sei nicht befahrbar, erzählt er uns, bewirtet uns dabei mit Tee und Kuchen. Schade, so müssen wir wieder zurück.

Beim Losfahren entdecke ich einen Nagel bei mir im Hinterreifen, der uns erst einmal wieder zurück in die Orte treibt. Vor einem Reifenhändler, einem Vulcanisaire, bewege ich den Nagel mal etwas, und wie befürchtet hört man ein Zischen. Wir haben wieder mal Glück, der Besitzer hat früher Hilfstransporte aus Deutschland begleitet und spricht sehr gut Deutsch. Er läßt bei aufgezogenem Reifen ein Band in das Loch einvulkanisieren. Auch er erzählt uns dabei von der Korruption und den Schwierigkeiten, einen Laden aufzumachen, ist total freundlich und will zum Schluß nicht mal Geld haben. Meine Hand ist inzwischen schon ziemlich geschwollen, und so nehmen wir jetzt den schnellsten Weg. Der geht durch das Tal des Jiu nach Targu Jiu, eine richtige Heizerstrecke. Über Baia de Arama führt uns die einsame 67d durch Wälder und über einen kleinen Paß nach Baile Herculane, wo wir nach einigen Hin- und Hersuchen uns schließlich für ein Hotel an der 6 entscheiden. Preislich akzeptabel und es gibt heißes Wasser. Zum Essen gehen wir aber in das nebenan liegende Campingplatz Restaurant, was – wie wir erst dann rausfinden – von einem Deutschen geführt wird. Essen ist prima, die Atmosphäre sehr nett, und ich bekomme auch Eis, um meine Hand zu kühlen.

Am nächsten Morgen ist an Fahren nicht zu denken, die Hand ist stramm geschwollen und der Campingplatz Besitzer bringt uns gleich in die örtliche Ambulanz. Dort bekomme ich ein Antihistaminika und Cortison verschrieben, was mir gleich injiziert wird. Mit dem Taxi geht es dann wieder zurück, und wir hängen bei schönstem Wetter im Restaurant ab. Nachmittags spazieren wir noch mal in den Ort, wir können nicht länger rumgammeln. Baile Herculane ist wohl eines der ältesten Thermalbäder der Welt, schon die Römer waren hier. So alt sind die Häuser nicht, eher aus der Zeit der k.u.k. Monarchie, wunderschön, wenn auch teilweise etwas desolat. Noch etwas Honig als Souvenir gekauft, ein Nachmittagsbier genommen, und ich lasse mir für 1,20€ die Haare schneiden. Im Hotel ist Duschen nicht möglich, angeblich nur ein Problem unseres Zimmers. Wir ziehen in ein anderes um, bereuen aber schon fast, nicht gleich auf den Campingplatz nebenan mit allem Komfort gegangen zu sein. Abendessen und Eis für die Hand gibt es dann wieder nebenan.

EinschlagspurenNur keine
                EileAuch am nächsten Morgen gibt es kein heißes Wasser, wir sind froh weiterfahren zu können. Auf der 6 geht es ereignislos nach Norden, in Caransebes geht es ab nach Borlova. Wir wollen doch mal sehen, wie es bei der Enduromania aussieht. Merkwürdig! Wir fahren durch den Ort, sehen zwar ein Camp und auch einige westliche Autos, aber der ganze Ort hat eine eigenartige Atmosphäre und nicht einmal ein Café, in dem wir kurz rasten können. Eine Teilnahme schminken wir uns ab und fahren wieder zurück zur Hauptstraße.

So haben wir für die Heimfahrt mehr Zeit. Über Nebenstraßen geht nach Soceni, dann wieder nach Norden, wo ich in  Ezeris auf eine in der Karte geteerte Straße abbiege. Aber wieder einmal irrt die Karte – Schotter erwartet uns. Tolle Sache denke ich und ziehe aus dem Ort raus, sehe aber nach der ersten Kuppe eine große Pfütze, weiche ihr noch aus und sehe in diesem Moment eine zweite versetzt dahinter. Ich Idiot versuche ihr auch auszuweichen und komme in den matschigen Seitenbereich und – Abgang. Setzen, Sechs – bei mir heißt es ablegen. Mit meinem Stiefel bin ich unter der Maschine eingeklemmt, aber zum Glück sind wir ja zu zweit, und Hille hilft mir raus. Mit einem kleinen Schock und einem dicken Knie relaxe ich erst mal. Noch mal Glück gehabt, nichts ernsthaftes passiert. Die XL hat eine Beule mehr im Tank und der Spiegel ein paar Kratzer. Nach etwas Erholung geht es mit dem Vorsatz auf Verzicht auf weitere Experimente wieder zurück auf die Hauptstraße und weiter Richtung Grenze.

Timisoara ist grauenhaft voll und heiß (ausgerechnet jetzt scheint nur noch die Sonne) und Arad umgehen wir auf der Nebenstrecke über Sanandrei und Varias. Die eingezeichnete Fähre bei Periam existiert nicht, aber dafür ist eine in Sanpetru Mare ausgeschildert. Niedliches Ding, nutzt die Strömung um überzusetzen. Auf der anderen Seite empfängt uns noch mal eine 5km lange Piste bis zur Hauptstraße, die wir aber fehlerfrei hinter uns bekommen. Bis zur Grenze bei Nadlac ist es nur noch ein Katzensprung, und wir können uns schnell in die lange Schlange der Wartenden einreihen. Eine knappe Stunde später sind wir wieder in Ungarn, es wird schon dämmrig, und wir suchen uns schnell eine Pension.

Die nächsten beiden Tage geht es nur noch Richtung Heimat, bei herrlichem Wetter auf kleinen langweiligen Straßen 330km durch Ungarn, dann ein kurzes Stück durch die Slowakei, und in Tschechien suchen wir uns wieder eine Pension. Am nächsten Tag auf Nebenstrecken die 380km durch Tschechien, bis ich bei Passau rauskomme. Ereignislos, nur mein Knie macht mir zu schaffen. Aber auch das geht vorbei. 1.300Km später bin ich wieder daheim.

Rumänien mit einer Enduro ist Spaß, die Straßen fordern es sozusagen und man findet ohne Probleme Nebenstrecken, die noch nicht asphaltiert sind. Unsere 1:600.000 Reiseknowhow Karten sind zwar vom Papier her unzerstörbar, aber von der kartographischen Leistung her nur unterer Durchschnitt. Straßen existieren nicht oder entsprechen nicht den Angaben. Wer hier also sicher gehen will, sollte sich detailliertere Wanderkarten kaufen. Die Enduros haben klaglos ihren Dienst versehen, beide waren im Serienzustand. Ich war überrascht, was meine XL mit dem großen Tank, den 0815 Enduroreifen und der Serienübersetzung alles mitmacht und wegsteckt. Nur Schlamm macht Probleme, das habe ich probiert. Der Verbrauch bewegte sich dabei (Tempo in Rumänien 80 bis 100km/h) bei 4,3l/100 und auf der schnelleren Anfahrt bei 4,7l/100 auf den insgesamt 6.400km. Bei 28 Litern im Tank kommt man also schon ganz schön weit, was allerdings in der Regel nicht notwendig gewesen wäre. Nur auf den Nebenstrecken sieht es mit Tankstellen mau aus. Per Kreditkarte kann man fast garnicht bezahlen, wir haben das eigentlich nur in Satu Mare, Constanza und Brasov gesehen. Der Benzinpreis war zwischen 0,65 bis 0,75€, nur Ungarn stach mit 0,95€ heraus. So war es ein billiger Urlaub, inklusive allem kamen 700€ für drei Wochen zusammen. Von unseren mitgenommenen 600€ haben wir kaum die Hälfte gebraucht, es gibt in allen größeren Orten Bankautomaten, manchmal allerdings nur nach einigem Suchen. Die Preise habe ich nur der Übersichtlichkeit wegen öfters in Euro geschrieben, bezahlt wurde bis auf zweimal in Lei, die zu dieser Zeit (Spätsommer 2003) bei 1€=36.000Lei standen. Wir hatten zwar Campingsachen dabei, aber ich weiß nicht, ob ich das noch einmal machen würde. Gegenüber vor sechs Jahren gibt es zwar viele neue Pensionen, aber die Campingplätze sind immer noch genauso selten, nicht existent oder schlecht, daß wir bis auf zweimal in Pensionen waren (Kostenpunkt 10 bis 30€). Essengehen kostet zwischen 6 und 10€, es gibt immer etwas, auch wenn es nicht unbedingt für Feinschmecker ist. Rumänien ist auch kein Land für Vegetarier, Fleisch gehört zu allem dazu. Rumänien lohnt sich auch ein zweites Mal, und mit einer Enduro erst recht.

Eric Koch
Oktober 2003



 




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