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DER NAHE OSTEN
Tschechien, Slowakei, Ungarn und Polen 2001
(veröffentlich in Motalia 141 und 142)

Montag Mittag kommen wir endlich los. Die letzten Gäste des Motorradtreffens sind inzwischen auf der Autobahn, und wir stellen fest, daß der Händler, der die hinteren Bremsbeläge für Susanns SP hat, nur noch bis 13:00 Uhr geöffnet hat. So hetzt Eric schnell zum Händler, und Susann fährt noch beim ADAC vorbei, um eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen, die für Tschechien nötig ist. Um 14:00 Uhr sind wir endlich auf dem Weg in den Urlaub, doch von Urlaubsstimmung ist noch nicht viel zu spüren.

Das Regenzeug können wir bald ausziehen, der dunkle Himmel täuscht, es regnet nicht, und je weiter wir nach Osten fahren, desto heller und sonniger wird es. Bis Würzburg geht es noch auf der Autobahn, dann über Landstraße nach Bamberg und zur Grenze bei Cheb. Der Grenzübertritt ist problemlos und schnell, und angesichts der vorgerückten Stunde fahren wir gleich weiter nach Karlovy Vary, was wir uns als erstes Ziel ausgesucht haben. Relativ schnell finden wir einen kleinen Campingplatz, der in einem Wohngebiet liegt und den der Besitzer auf seiner Gartenwiese betreibt. Nach dem Zeltaufbau geht es noch mal schnell in die Stadt, um an einem Bancomat Bares zu ziehen. Die Essenfrage läßt sich nicht so schnell lösen. Das erste Restaurant in der Nähe des Platzes hat zu, und wir finden erst nach einem kleineren Fußmarsch eine Art Sportgaststätte, die aber sogar ein Speisekarte in Deutsch hat. Das Essen ist nicht so doll, und das zu uns gestoßene schwedische Pärchen hat noch einen kleinen Disput über die Preisgestaltung.

Das Zelt lassen wir morgens auf dem Platz stehen und wir fahren auf einem Motorrad in die Stadt. Karlovy Vary (ehemals Karlsbad) ist ein alter Kurort mit Thermalbädern. Der Wohlstand zeigt sich in der schönen Innenstadt und dem alten Kurhausviertel, wo ein Haus und eine Fassade schöner als die nächste ist. Irgendwann müssen wir aber die Besichtigung abbrechen und das Zelt abschlagen. Wir wollen ja schließlich noch weiter.

Terezin (früher Theresienstadt) ist die nächste Station auf dem Weg nach Prag. Weltbekannt und berüchtigt wurde Theresienstadt durch das, im November 1941 von den Deutschen eingerichtete, Ghetto - ein Konzentrationslager für Juden. Ganz Theresienstadt war damals eine Stadt hinter Gittern. Wir schauen uns das „Ghetto Museum“ an, in dem versucht wird, an Hand von Fotos und Dokumenten das Leben und Sterben im Ghetto begreifbar zu machen. Besonders bedrückend sind die vielen Zeichnungen der Kinder, die gezeigt werden und die die Ungeheuerlichkeit erschreckend bewusst werden lassen.

Das Altstädter
              RathausAm Nachmittag fahren wir nach Prag hinein, auf der Suche nach einer festen Unterkunft, da die Campingplätze sehr weit außerhalb liegen. Große Plakate locken uns zu einem Hostel, das Übernachtungen ab 7$ bewirbt. Leider ist das Hostel schon voll, die Leute besorgen uns aber telefonisch ein Zimmer in einem Studentenwohnheim direkt in der Innenstadt für ca. 50DM. Wir können unsere Mopeds sogar direkt vor die Rezeption stellen. Wir laufen uns am Abend noch die Füße wund, um schon mal einen ersten Eindruck zu bekommen.

Morgens frühstücken wir in einem Internet Café, eines der zahlreichen ist gleich um die Ecke. Danach heißt es laufen und laufen: Wenzelplatz, Kirchen, die astronomische Uhr, die Karlsbrücke mit ihren ganzen Statuen, dahinter der Hradsch, die Prager Burg und das alte jüdische Viertel. Wir sind nur am Schauen und Fotografieren. Wir finden Prag toll, unheimlich viele alte Häuser und ein lebendiges Straßenleben geben der Stadt ein unvergleichbares Flair. Wir fühlen uns sehr wohl. Nach einem Abendessen mit ein paar Pils im U' Pivrnce, in der Nähe des Hostels, wo es für Prager Verhältnisse sehr günstig einheimisch zu essen gibt, fallen wir erschöpft ins Bett.

Die astronomische Uhr
              am Altstädter RathausAm nächsten Tag geht es weiter, doch müssen wir erst einmal die Guzzis von der Taubenscheiße befreien. Die Biester hatten ihren Anspruch auf den Hinterhof auf ihre Weise manifestiert. Es scheint sowieso nicht Eric’s Tag zu sein. Beim Herausfinden aus Prag übersieht er beim Orientieren auf der Karte einen 10x10cm Stein auf der Straße und überrollt ihn. Zum Glück stürzt er nicht, der Stein muss gerade eben unter die Ölwanne durch gepaßt haben. Auch die Felgen sind noch rund. Nach kurzem innerlichen Abkühlen geht es weiter gen Süden. Wir können bald wieder kleinere Straßen nehmen, die sich angenehm durch die Landschaft schlängeln. Unser Ziel, Cesky Krumlov, erreichen wir zwar schon gegen 15:00 Uhr, aber bis wir schließlich einen Campingplatz gefunden haben, vergeht noch mal einige Zeit. Ein holländisch geführter Campingplatz in der Nähe scheint der einzige brauchbare in der Gegend zu sein. Er ist super ausgestattet, aber das Preisniveau ist dafür auch wie in Holland. Nach dem Aufbauen fahren wir nach Cesky Krumlov zurück und schauen uns die sehr gut restaurierte Altstadt mit ihrer auf einem Felsen sitzenden Burg, die schon von weitem zu sehen ist, an. Auf dem Campingplatz wechselt Susann noch ihre hinteren Bremsbeläge, die es inzwischen wirklich nötig haben.

Heute machen wir mal richtig einen auf  Camping, packen den Kocher aus und frühstücken in aller Ruhe auf dem Platz. Nur das Wetter ist noch nicht ganz so, wie es sein soll, auch heute ist es bedeckt mit ein paar Sonnenstrahlen. Gegen Mittag kommen wir endgültig los und fahren über kleine kurvige Straßen nach Slavonice. Wir lassen die Mopeds bepackt auf dem Hauptplatz stehen und erkunden die Stadt zu Fuß. Es gibt ein paar nett aussehende Häuser, aber insgesamt reißt uns das nicht vom Hocker. Aber 30km weiter, in Telc, bleibt uns doch erst einmal die Spucke weg. Die Altstadt ist um einen langgezogenen Platz angelegt, und ein Haus ist schöner restauriert als das nächste. Der Ort hat etwas von einer Puppenstube, und wir genießen das Herumschlendern in der immer wieder durchbrechenden Sonne. Nach einem gut belegten Brötchen für 50 Pfennige gehen wir wieder zurück zu den Motorrädern, die wir diesmal mit Gepäck am Zugang zur Halbinsel stehen gelassen haben. Querbeet fahren wir Richtung Olumouc, entschließen uns dann aber in Plumlov den Campingplatz zu nehmen. Ein sehr rustikaler Campingplatz mit hauptsächlich einheimischem Publikum, wahrscheinlich deswegen, weil in den Reiseführern hier nichts als sehenswert ausgewiesen ist. Aber es steht anscheinend nicht alles in den Führern. Gleich gegenüber vom Campingplatz, auf der anderen Seite des Sees, thront ein hoch aufragendes Schloß auf einem Felsen. Wir schauen es uns auf dem Weg zum Essen an. Es ist unrestauriert und wirkt wie ein verwunschenes Märchenschloß – wunderschön.


Wien - das
              HundertwasserhausAm  Morgen geht es weiter nach Olumouc, dem Rom Tschechiens, wie es genannt wird. Es ist ganz nett, wir bestaunen die astronomische Uhr und einige Kirchen, aber es überwältigt uns nicht. Auf dem Platz vor der astronomischen Uhr, klar erkennbar als Touristen, werden wir noch als potentielle Käufer für Pins erwählt. Aber nach dreimal Nein ist auch diese Situation geklärt. Wir versuchen, nochmals in Wien anzurufen, wo eine Freundin eine günstige Übernachtung direkt in der Innenstadt wußte, doch leider erreichen wir wieder niemanden. Also fahren wir einfach so Richtung Wien.

Der Grenzübertritt nach Österreich ist kein Problem, das Fahren in der Stadt dann schon eher. Die Leute fahren wie die Schweine, und wir haben das Gefühl, daß Deutsche bevorzugtes Opfer für Schneide- und Abdrängmanöver sind. Das Forschen am Westbahnhof nach einer festen günstigen Bleibe wird schnell durch das Nennen von Preisen im dreistelligen DM-Bereich beendet, und wir entschließen uns, wieder mal auf einen Campingplatz zu gehen. Wir enden auf dem Platz "Neue Donau", gleich auf der anderen Seite der Donau, wo wir den Abend stilvoll mit einem Wiener Schnitzel und Rotwein beschließen.

Der Luxus hat uns wieder, morgens einfach mal Brötchen etc. vorne geholt und gemütlich gefrühstückt. Gleich vor dem Campingplatz fährt der Bus zur U-Bahn Station ab, wo wir uns eine Tageskarte besorgen und nach Wien hineinfahren. Erstes Ziel ist die Touristen Info, da wir keinen Wien-Führer dabei haben. Hier ergattern wir Stadtplan und Broschüren über Sehenswürdigkeiten und los geht’s: das Zentrum um den Stephans-Dom, Spittelberg, die Hofburg... das alles erledigen wir per pedes. Zum Hundertwasser- Haus nehmen wir die Tram. Von Fotos allseits bekannt, ist es in natura noch viel witziger. Hundertwasser hat hier seine Vorstellung vom natur- und menschengerechten Großstadtwohnhaus in die Tat umgesetzt: das Haus als Teil der Natur, kunterbunt aus recycelten Materialien und mit unzähligen Pflanzen begrünt – es gibt sogar „Baummieter“. Wie die „Menschenmieter“ hier wohl leben können, den ständigen, fotografierenden Touristenströmen ausgesetzt...? Aber sei’s drum, auch wir machen Fotos und gehen weiter zum nahegelegenen Kunsthaus Wien, das auch von Hundertwasser gestaltet wurde. Um das Tagesticket auch richtig zu nutzen, fahren wir noch mit der U-Bahn zum Schloß Schönbrunn und laufen recht lustlos in der Hitze durch die Gärten, bevor wir uns dann eingestehen, daß dieser Tag für uns ein Ende hat.

Am Morgen finden wir schnell aus Wien heraus und nehmen so bald wie möglich die Landstraße, die uns zur Grenze bei Eisenstadt führt. Ein kleiner Stau erwartet uns hier, und wir sind froh, als wir endlich wieder fahren können, es wurde ziemlich heiß beim Stehen. Dicht hinter der Grenze liegt Sopron, das wir als erstes ansteuern, um Geld zu holen und um uns die Stadt anzuschauen. Wir finden nicht viel besonderes anzuschauen und fahren nach einer Cola weiter nach Szombathely, wo nach Reiseführer eine schöne Altstadt in verschiedenen Baustilen locken soll. Wir kommen zu dem Schluß, daß man auch dies nicht gesehen haben muß (vielleicht sind wir auch einfach durch die bisherigen Eindrücke übersättigt) und machen uns auf kleinen Straßen auf zum Balaton. Wir stellen uns einen ruhigen kleinen Campingplatz vor, auf dem wir uns mal zwei Tage erholen können. Die Realität ist gnadenlos. Wir landen, allerdings auch ohne groß zu suchen, auf einem überfüllten lauten Campingplatz (schreckliche deutsche Familien, die sogar ihre deutsche Volksmusik mitgebracht haben), wo für uns nur ein Plätzchen am Zaun direkt an der Bahnlinie bleibt. Der Balaton bietet eine recht trübe Brühe, die uns auch nicht zum Schwimmen animiert. Einen richtigen Strand gibt es anscheinend auch gar nicht.

Man errät schnell, hier bleiben wir nicht lange. Am nächsten Morgen nehmen wir die Fähre von der Halbinsel von Tibany auf die andere Seeseite und fahren querbeet durch Felder und Wälder, runter in den Süden von Ungarn, um dort noch ein paar alte Kirchen mit Kassettendecken zu besichtigen. Irgendwann versagt allerdings die Karte, und wir verirren uns in den Feldern, enden in einem Ort am Arsch der Welt, von wo wir uns dann wieder heraus fragen müssen. Aber schließlich finden wir die Kirchen, und die Kassettendecken stellen sich als zwar alte, aber nicht besonders hübsche Emporen heraus. Weiter geht es nach Osten in Richtung Harkany, wo uns laut Führer ein Campingplatz erwartet. Dieser ist auch da, und wir sind froh, endlich bei der Hitze die Klamotten auszuziehen und uns etwas luftiger zu kleiden. Als wir etwas abgekühlt sind, gehen wir in das nahegelegene Thermalbad, und entspannen die alten Knochen in den bis zu 40°C heißen Schwimmbädern. Ein super Abendessen rundet diesen Tag ab, und wir fallen erschöpft nach ein paar Flaschen Schwarzbier in der Campingplatzkneipe ins Zelt.


Szeged -
              JugendstilhausAuch unser spartanisches Frühstück können wir vorne in der Kneipe einfahren. Dann geht es aber bei flirrender Hitze los, durch flache Landschaft, per Fähre über die Donau, immer parallel zur Grenze des ehemaligen Jugoslawiens. Wir wählen die kleineren Straßen, weil sich auf den großen Routen die LKW- Rennen abspielen. Nach einigen Pausen kommen wir in Szeged an, eine Stadt, die uns sehr positiv überrascht. Es ist eine tolle Stadt mit vielen alten Plätzen und Häusern, die sehr lebendig wirkt. Nachdem wir genug in unseren Ledersachen geschwitzt haben, fahren wir weiter nach Norden, wo wir am späten Nachmittag auf dem Campingplatz in Püspökladany ankommen. Hier hatten wir schon vor drei Jahren auf dem Rückweg von Rumänien übernachtet, und wir erinnern uns, daß man vom Platz einen direkten Zugang zum nebenan liegenden Thermalbad hat, was wir dann auch wieder ausnutzen. Da das Restaurant auf dem Platz keine warmen Speisen anbietet, können wir - so entspannt - dann noch einen zwanzigminütigen Fußmarsch in die Stadt machen, wo wir im einzigen offenen Restaurant der Stadt ein extrem leckeres Abendessen haben.

Das Platzrestaurant bietet aber immerhin ein super Frühstück an, danach geht’s noch eine Runde ins Thermalbad, und so erfrischt brechen wir auf kleinen buckeligen Straßen wieder in Richtung Norden auf. Die Pußta, durch die wir uns die ganze Zeit bewegen, ist platt wie Norddeutschland, aber erheblich heißer. Wir benutzen kleine Fähren, um über die diversen kleine Flüsse zu kommen. An Tokai vorbei, wo der süße Tokaier herkommt, geht es nach Sarospatak, wo ein hochgepriesenes Renaissance Schloß stehen soll. Nach einigem Suchen finden wir es auch unausgeschildert in einer kleinen Nebenstraße. Es ist eigentlich eher eine Burg als ein Schloß und entspricht auch nicht ganz unseren Erwartungen. Gerade als wir uns entschließen loszufahren, fängt es plötzlich an zu schütten. Der Guß dauert zwanzig Minuten, dann scheint wieder die Sonne, und wir sehen zu, daß wir weiter kommen.

In Miskole werden wir an einer Ampel von einem ungarischen Dominator-Fahrer mit Sozia angesprochen. Sie wollen wissen, ob wir auch nach Schirock fahren. Es dauert einige Zeit, bis wir verstehen, daß sie wissen wollen, ob wir auch zu dem großen Motorradtreffen nach Sirok fahren. Wir entschließen uns, das mal anzuschauen, obwohl uns die Größe von 6.000 Leuten doch etwas skeptisch macht. Aber es liegt sowieso an unserer Strecke Richtung Budapest, und so fahren wir zu viert weiter. In Eger machen wir einen kurzen Zwischenstop, um uns in den örtlichen Weinkellern ein kleines Zweiliterfäßchen Wein abfüllen zu lassen. Auf der Strecke nach Sirok werden es immer mehr Motorräder, und der Eingangsbereich des Treffen, ein enger Zugang zu einem Tal, bestätigt unsere Befürchtungen. Die Posten sind von irgendeiner Rockertruppe, Eintritt ist pro Person 70DM für zwei Nächte, und schon am Eingang hört man den Lärm vom Platz. Unser neuer ungarischer Bekannter überredet den Chef, uns mal für eine halbe Stunde reinzulassen, damit wir uns mal umschauen können. So laufen wir einmal die Stichstraße auf und ab, und es ist wie erwartet: hin und her rasende Endurofahrer zwischen den Fußgängern, mit Wheelieeinlagen untermalt von dem ohrenbetäubenden Lärm eines netten Zeitgenossen, der seinen Vierzylinder die gesamte Zeit am Drehzahlbegrenzer hält. Das ist nicht ganz unsere Welt, und wir sind froh, als wir, ohne von einem der übermütigen Teilnehmer über den Haufen gefahren zu werden, wieder die Landstraße erreichen. Diese Strecke ist echt ein Highlight, nur läßt uns die aufkommende Dämmerung etwas vorsichtig sein, um nicht in einer der vielen Kurven auf einen unbeleuchteten Verkehrsteilnehmer zu treffen. Kurz vorm Dunkelwerden finden wir einen Campingplatz, nehmen noch einen Imbiß und leeren das kleine Weinfäßchen - leckeres Stöffchen.

Glaskuppel

Die Sonne treibt uns schon früh aus dem Zelt, und nach einem kleinen Frühstück brechen wir auf nach Holloko, einer typisch ungarischen  Siedlung. Wir schauen uns das Dörfchen kurz an und finden eigentlich nichts so richtig außergewöhnliches außer vielleicht dem touristischen Rahmenprogramm mit Tanzgruppen. Es ist einfach ein altes, gut restauriertes Dorf, in dem auch noch ganz normale Menschen leben. Also fahren wir weiter nach Budapest.

Hier laufen wir erst einmal ein Hostel an, aber dieses ist erstens voll und hat zweitens auch keinerlei Informationen über sonstige Übernachtungsmöglichkeiten. So werfen wir einen Blick in die Campingkarte und entschließen uns, einen Campingplatz nach dem anderen abzuklappern. Anfangen tun wir mit einem Biker Campingplatz mit 30 Plätzen, von dem wir erst einmal annehmen, daß er für Fahrradfahrer ist. Aber weit gefehlt, was sich hinter dem unscheinbaren Tor in einem Wohngebiet verbirgt, ist vom feinsten, ein Campingplatz nur für Motorradfahrer (Webseite http://www.bikercamp.hu/). Zsolt, der Besitzer und Mitorganisator der Transdanubia, hat seinen Privatgarten mit großer Wiese zum Campingplatz umfunktioniert. Die sanitären Anlagen sind klasse gepflegt, Getränke stehen per Strichliste zur Verfügung, und das Besitzerpaar ist unheimlich hilfsbereit. Wir bauen auf und fahren mit der nahen U-Bahn in die Stadt zum Essen. Das empfohlene Kellerlokal ist nicht der Hit, wir sind wohl in ein Touristenlokal gekommen. Da es wie verrückt zu schütten beginnt und es auch nicht mehr aufhört, fahren wir zurück zum Campingplatz, wo wir uns die Zeit damit vertreiben, uns ein paar Dreherpils reinzudrehen und den Geschichten von Zsolt über die Härten der Transdanubia zu lauschen.

Durch den schweren Regen in der Nacht, ist der Seitenständer von Erics Guzzi eingesackt und die Maschine umgefallen. Zum Glück war sowieso nicht mehr viel Benzin drin, und außer einem zerbrochenen Blinkerglas scheint auch nichts passiert zu sein. Nach der Schönheitsreparatur gibt es ein Frühstück auf dem Platz, bevor wir uns Budapest Teil II geben. Auf dem Weg in die Stadt schauen wir uns das tolle Kunstgewerbemuseum an, bevor wir starren Halses durch die Innenstadt von Pest laufen. Einen Abstecher machen wir mit einer antiken U-Bahn zum Landwirtschaftsmuseum, das von außen durch seine vielen verschiedenen Baustile glänzt, bevor wir auf die andere Donauseite, nach Buda, auf die Burg fahren. Leider ist die Matthiaskirche nicht zu besichtigen, so nehmen wir als Alternative das Labyrinth unter der Burg in Augenschein (sehr gut gemacht) und steigen auf die Fischerbastei, von der man einen unverbauten Blick auf Pest hat. Wir schlendern quer durch die ganze Burganlage und die Altstadt zum Schloß, steigen dann wieder hinunter zur Donau, von wo wir mit Bus und Bahn zurück zum Platz fahren. Wir hatten für den Abend Plätze im nebenan liegenden "Paprika Csarda" buchen lassen. Es wird ein kultureller Abend mit Tanz und Gesang, die Darbietungen und das Essen sind gut und reichlich. Als wir auf den Platz zurück kehren, sind noch zwei Motorradfahrer gekommen, zwei Italiener, die ganz brauchbar englisch können. Es wird noch ein langer Abend.

Der schnelle Aufbruch am nächsten Morgen klappt nicht so ganz. Gefrühstückt und gepackt ist zwar schnell, aber beim Anlassen läuft Erics Guzzi nur auf einem Zylinder. Er schiebt es erst einmal auf zuviel ausgelaufenes Benzin, und wir stottern zur nächsten Tankstelle um die Ecke. Als es aber nach dem Volltanken nicht besser wird, wird er doch stutzig und zieht mal den Kerzenstecker vom nicht laufenden Zylinder ab. Und siehe da, er wurde eigentlich nur durch das Gummi zusammen gehalten, und  das war bei Sicht- und Wackelprobe nicht zu erkennen gewesen. Zum Glück hat Eric immer einen Reservestecker dabei, so ist dieses Problem keines, und wir können schließlich an der Donau entlang gen Norden fahren. Unser letztes Ziel in Ungarn ist die Kathedrale von Estragom, die auf einem Hügel weithin sichtbar über der Donau sitzt. Ein pompöser Bau, der aber irgendwie etwas verloren in diesem kleinen Ort wirkt. Ein paar Kilometer weiter geht es über die Donau in die Slowakei hinein. Auch hier ist der Grenzübertritt nur eine Frage von Minuten, und auch ein Bankautomat ist schnell gefunden, der uns wieder mit dem nötigen Kleingeld versorgt. Wir fahren querbeet nach Zvolen, wo auf der Michelinkarte ein Campingplatz eingezeichnet ist. Den Campingplatz gibt es tatsächlich, er ist zwar direkt an der Straße, aber erstens gibt es nicht viel Verkehr und zweitens ist ein nettes Gartenlokal angeschlossen.

GuzzisAls wir am nächsten Morgen losfahren wollen, bemerkt Susann, daß ihr Kupplungszug den Geist aufgibt. Da wir auch für dieses Problem vorgesorgt haben, tauschen wir ihn in aller Ruhe im Schatten und danach schlüpfen wir mit gewaschenen Händen wieder in die Handschuhe. Über die, schon vom Campingplatz zu sehende, Niedere Tatra geht es hinüber ins nächste Tal, wo sich vor uns die Hohe Tatra mit Bergen von immerhin mehr als 2.500 Meter aufbaut. Wir besichtigen zwei Campingplätze in der Gegend, wovon sich der erste als Sumpfwiese heraus stellt. Auf dem zweiten ist Sumpf kein Thema, da die Wiese so eine Neigung hat, daß man sich morgens immer in einer Ecke des Zeltes wiedergefunden hätte. Auf dem gleichen Platz in Tatranska Strba gibt es aber auch Hütten, die zwar total überteuert sind, aber wir haben einfach keine Lust zum Suchen. So buchen wir mal für zwei Tage und quartieren uns häuslich ein. Der Tag ist noch so jung, daß wir mit der Zahnradbahn nach Strbske Pleso hinauf fahren, ein Ort in dem vor 20 Jahren mal die Olympischen Spiele stattfanden. Wir sind wohl die einzigen, die in Treckingsandalen (in Ermangelung von adäquatem Schuhwerk) hier oben rumlaufen, und als wir uns so genug als Dummtouris geoutet haben, fliehen wir vor der Kälte wieder ins Tal.

Als Tagesausflug für den nächsten Tag haben wir uns die Dobschauer Eishöhlen als Ziel genommen. 50km später sind wir da. Das Motorrad müssen wir auf dem Parkplatz abstellen und die 1,5km zu Fuß zum Eingang der Höhle aufsteigen. Wir kommen gerade noch rechtzeitig zu einer Führung, die leider - wie alle anderen auch - in Slowakisch abgehalten wird. Aber auch ohne Erklärung ist es imposant. Es ist praktisch ein Gletscher im Berg, teilweise auch mit Eisstalakmiten. Es ist saukalt, und die Motorradkluft, die wir bei unserem Weg bergauf verflucht haben, hält uns jetzt warm. Wieder draußen, fahren wir über kleine, einsame Straßen durch ewige Wälder nach Levoca, einem schönen Ort in der Nähe, mit einer lockeren Atmosphäre auf dem großen Hauptplatz, um den sich einige Straßencafes gruppiert haben. Auch die hoch über dem Ort gelegene Basilika schauen wir uns an, von wo wir einen herrlichen Blick ins Tal haben. Dann geht es zurück zur Hütte, wo wir aus den am Straßenrand von Zigeunern gekauften Pfifferlingen etwas leckeres zaubern. Im Eifer des Gefechts haben wir aber immer noch viel zu viel für den ganzen Eimer bezahlt, ein Gesprächsthema für den Abend.

Ausschwitz -
                Lager BirkenauMorgens machen wir uns auf kurvigen Bergstrecken auf, um über die Hohe Tatra hinüber nach Polen zu kommen. Die Straßen sind gut ausgebaut und in so gut wie nix sind wir über die Berge und stehen erst einmal an einer roten Ampel an der Grenze. Endlich wird unser Schwung Fahrzeuge weitergewinkt und wir kommen an die Zollhäuschen. Hier müssen wir das erste Mal unsere grünen Versicherungskarten vorzeigen, dann geht es aber ohne Probleme weiter. In Zakopane, dem nächsten großen Ort - dem Skiresort für Polen, finden wir keine Geldautomaten und wir fahren weiter Richtung Norden. Das Fahren ist anstrengend, Trabants wechseln sich mit LKW ab, die mit 20km/h die Steigungen hinauf kriechen und dabei kilometerlange Schlangen hinter sich herziehen. Wie gut, daß wir mit den Motorrädern immer relativ locker vorbeiziehen können. <>Oswiecim, früher Auschwitz, ist unsere erste Station in Polen, wo wir erst mal das Lager I besichtigen. Auschwitz braucht man ja nicht zu erklären, vielleicht nur in soweit, daß Lager I den befestigten Teil darstellt und etwas von einer Kaserne hat. Die strahlende Sonne gauckelt einem eine friedliche beschauliche Atmosphäre vor, aber die in den Gebäuden untergebrachten Ausstellungen bringen einen schnell wieder hinunter auf den Boden der Tatsachen. Als Deutscher fühlt man sich irgendwie automatisch schuldig. Wenn es noch eine Steigerung gibt, dann ist es das Selektionslager Auschwitz II, besser bekannt vielleicht unter dem Namen Birkenau, wenige Kilometer entfernt. Wer z.B. den Film "Schindler's Liste" gesehen hat, ist mit den Örtlichkeiten etwas vertraut. Der Eingang ist dieses Tor, durch das die Eisenbahnschienen zur Selektionsrampe führten. Drumherum stehen auf der einen Seite die schier endlosen Reste der Pferdeställe, wie sie genannt wurden, die Kamine. Auf der anderen Seite sind die stabileren Behausungen für die Frauen. Von beiden "Typen" von Behausungen stehen nur noch wenige komplett, aber es ist fast unfaßbar, daß in diese langgestreckten Hütten 400 bis 700 Menschen reingepfercht wurden. Bei dem herrlichen Sonnenschein sieht alles so unschuldig aus, mit dem Hintergrund des Wissens aus Bild und Schrift nimmt es aber schnell eine sehr reale Gestalt an.

Nach einer Sammelpause bringen wir die 80 Kilometer nach Krakow schnell hinter uns. Ein kurzes Abchecken der Karte an einer Tankstelle, führt uns zu einem Campingplatz im Nordwesten der Stadt, der durch den Anschluß an ein Motel die dringend benötigte Waschmöglichkeit verspricht. Das Abendessen im Motelrestaurant ist jedenfalls schon mal lecker und reichhaltig.

Leider hat uns das Motel zuviel versprochen, es stellt sich heraus, daß es keine öffentliche Waschmaschine gibt, und die Möglichkeit, die T-Shirts in der hauseigenen Wäscherei waschen zu lassen ist bei vier Deutschmark pro T-Shirt selbst dem Rezeptionist peinlich. So verschieben wir die Lösung dieses Problems erst einmal und fahren mit dem Bus in die Innenstadt. Wir laufen kreuz und quer durch die alte Stadt und bewundern die Häuser und das bunte Treiben. Krakow gefällt uns sehr gut da es eine so lebendige Stadt ist, und wir lassen uns den ganzen Tag Zeit, die Stadt anhand der Informationen von der Tourist-Info zu entdecken. Als wir nachmittags wieder zurück zum Campingplatz kommen, hat der Rezeptionist einen Waschsalon ausfindig gemacht, klärt noch Öffnungszeiten und Weg ab, und wir machen uns schnell dort hin. Man empfängt uns mit äußerster Freundlichkeit, nimmt uns die Sachen ab und meint, wir sollen doch in einer Stunde wiederkommen, dann wäre alles fertig. Wir nutzen die Zeit zum Essen, und als wir wiederkommen, ist alles für einen Spottpreis sauber und trocken - klasse!

Als wir am nächsten Morgen aufstehen, regnet es. Nach dem Frühstück hat es aber zum Glück aufgehört, und wir fahren auf langsam abtrocknenden Straßen aus der Stadt nach Nordosten. Es muß ziemlich stark geregnet haben, die Straßen in den kleinen Orten stehen teilweise unter Wasser, das dann auch die Ausbrüche im Kopfsteinpflaster verdeckt. Aber wir umschiffen alles souverän auf unseren Italienern, die alles klaglos mitmachen. Nachmittags kommen wir in Sandomierz an, beeindruckt von der imposanten Ansicht, die der hoch oben auf einem Felsen liegende Ort bietet. Die Innenstadt reißt aber nicht unbedingt vom Hocker, ganz schön ist nur die Führung durch das Labyrinth unter der Stadt.

Kazimiers Dolny ist unser Ziel für den Abend, weil die Karten auch hier einen Campingplatz anzeigen. Beim Durchfahren des Ortes finden wir keine Hinweise auf Camping, dafür aber jede Menge junge Leute, die mit Rucksack umherlaufen. Nach ewigem Nachfragen finden wir den Campingplatz außerhalb des Ortes. Es ist eher ein Hotel mit einer Art dahinter liegendem Acker, der zum Campingplatz erklärt wurde, aber für eine Nacht... Die ganzen Kiddies sind im Ort, erfahren wir, weil es ein Filmfestival an diesem Wochenende gibt. Vielversprechend hört sich das Konzert auf dem zentralen Platz an, wir hören es schon von weitem. Und als wir auf dem Platz ankommen, tobt die Menschenmenge angesichts einer Kapelle aus Rumänien, die mit Blasinstrumenten eine Wahnsinnsstimmung machen. Die Truppe sieht aus wie eine Dorfband, bringt aber mit ihren schnellen Zigeunerrhythmen den vollen Platz zum einheitlichen Wippen bis Springen. Der Auszug der Kapelle gleicht dann mehr dem Rattenfänger von Hameln, die halbe Masse folgt ihnen tanzenderweise noch bis vor’s Hotel. Entsprechend beschwingt, mit einer ergatterten CD, gehen wir wieder zum Campingplatz zurück.

Am nächsten Tag, es hat auch diese Nacht mal wieder geregnet, entschließen wir uns, doch schnell nach Norden zu kommen. Es gibt ein kurzes Frühstück im Ort, und dann fahren wir, nur unterbrochen durch Tankstops, nach Torun. Leider erwischt uns auf dem Weg ein Regenguß, auf den wir gar nicht so schnell reagieren können. Eric schafft es gerade noch, seine Regenjacke überzuwerfen, das Wasser läuft aber an ihm hinunter in die Stiefel. Susann ist mal wieder zu faul, ihre Regensachen auszupacken, und stellt sich unter einen Baum, was ihr bei der Wassermenge aber nicht einmal die erste Minute hilft. Nach drei Minuten ist der Spuk vorbei, das Wasser steht zentimeterhoch auf den Straßen. Die weitere Fahrt auf Nebenstraßen ist nicht die wahre Freude, manchmal verdeckt Wasser die wadentiefen Schlaglöcher, wir sind aber gewarnt und kommen ohne Probleme in Torun an. Das Wetter hat sich wieder stabilisiert (im positiven Sinne), wir lassen unsere Sachen trocknen und laufen etwas durch die Umgebung des Campingplatzes, in der Hoffnung, ein anderes Lokal außer dem Campingplatzrestaurant zu finden. Leider finden wir nichts ansprechendes und so essen wir dort schlechtes Essen aus der Friteuse.

Die alte
                Kreuzritterfestung MalborkMorgens lassen wir unser Zelt stehen und fahren in die Innenstadt. Das Wetter ist super, und wir können in praller Sonne erforschen. Torun gefällt uns sehr gut, eine Menge schöner Häuser und eine große Fußgängerzone. Was uns auffällt, sind die Menge Leute, die zu der Zeit, wo wir frühstücken, mit Bierdosen (in Benutzung natürlich) herumlaufen. Irgendwann fahren wir weiter nach Malbork. Die Strecke ist nicht besonders aufregend, eine Art Bundesstraße. Überraschend ist nur ein Teilstück von ca. fünf Kilometern, das nicht geteert sondern gepflastert ist, und das bei der Breite einer Prachtstraße. In Malbork finden wir schnell unser Ziel, es ist auch kaum übersehbar - es ist die alte Kreuzritterburg, die am Ufer der Nogat thront. Ein beeindruckendes Bauwerk, das zu seiner Zeit als Vorbild für eine uneinnehmbare Festung für viele andere diente, und das als die weltweit größte Backsteinanlage gilt. Nach dem Obolus von 18DM pro Person können auch wir uns einer der polnischen Führungen anschließen. Das ist zwar ziemlich sinnlos, da sie wie gesagt in polnisch ist, aber eine, wenn überhaupt verfügbare, deutsche Führung würde 45DM kosten. Da kaufen wir lieber einen der 6DM teuren, kleinen Reiseführer, die den Rundgang Schritt für Schritt begleiten. Wir staunen angesichts der riesigen Ausmaße und der Ausstattung der Anlage.

Von hier aus geht es weiter nach Gdansk, ehemals Danzig, wo wir mit dem polnischen Campingführer und der guten Beschilderung schnell den der Innenstadt nächsten Campingplatz finden. Nach dem Aufbauen und einem kurzen Spaziergang, um die Gelenke wieder beweglich zu machen, geben wir noch einmal einem Campingplatzrestaurant eine Chance. Und es lohnt sich, es gibt leckeren, gebratenen Fisch mit allem Drumherum und gut Bier. Danach sacken wir nur noch in die Schlafsäcke.

Der große
                Platz in GdanskNachdem es abends ja noch sehr schön sonnig war, ist der Himmel am Morgen leider recht zugezogen. Aber von so etwas läßt sich ein Tourist nicht abschrecken, und so nehmen wir die nächste Straßenbahn in die Stadt. Als wir dann bei ziemlich frischem Wind das erste Mal über den Marktplatz gehen, ist es leer, und wir haben Zeit, uns alles anzuschauen. Wir haben Fotos der Innenstadt, aufgenommen nach 1945, gesehen, aber was wir jetzt sehen, sieht aus, als ob es nie einen Krieg gegeben hätte. 90 % der Innenstadt waren damals zerstört, doch die polnischen Restauratoren vollbrachten ein kleines Wunderwerk, indem sie die Häuser nach alten Vorlagen wieder aufbauten. Ein altes Haus reiht sich an das nächste, die Fassaden sehen aus, als ob sie alle Zeiten überstanden hätten. Phantastisch! Wir gehen weiter an der Hafenpromenade entlang, die voll mit Souvenirständen ist. Aber auch als wir in die Seitenstraßen ausweichen, ändert sich das Bild wenig. Die Häuser sind in einem Topzustand, und die Straßen voll mit Ständen. Es ist wie auf einem Riesenflohmarkt. Auch uns reizt es zum Stöbern und Schauen, und manchmal müssen wir uns doch erinnern, daß wir ja eigentlich wegen Gdansk hier sind, Flohmärkte gibt es auch zu Hause. Schließlich kommen wir wieder auf den großen Platz, der inzwischen brechend voll ist. Wir lungern noch ein bißchen in der Sonne herum, haben aber irgendwann genug und fahren zurück zum Zelt.

Eine letzte Station haben wir uns in Polen noch vorgenommen - Kolberg. Die Fahrt ist recht ätzend, es ist kühl, es pfeift ein kalter Wind vom Meer herein, und der Verkehr ist grauenhaft. Entweder die letzten Schleicher oder wilde Raser, dazwischen gibt es fast nichts. Wir sind jedenfalls recht genervt, als wir auf dem einzigen Campingplatz in Kolberg ankommen. Der bringt unsere Stimmung auch nicht unbedingt hoch, die erhoffte Aufwärmdusche fällt aus, Warmwasser hat Mittagspause. So machen wir eine Ortsbegehung, es stellt sich aber heraus, daß dieser Ort sich in nichts von westlichen Strandbädern unterscheidet, es gibt eine Promenade, viele Buden und alles andere. Nur zu kalt ist es, um Schwimmen zu gehen. Wir beenden den Tag recht schnell mit einer warmen Dusche und einem durchschnittlichen Essen im nahegelegenen Bierzelt, in dem vorne auf der Bühne verschiedene mehr oder weniger gute Alleinunterhalter agieren. Ein neben uns sitzender Pole unterhält sich mit Eric, bis er merkt, daß Eric gar kein polnisch kann. Schließlich versuchen Susann und er auf russisch zu kommunizieren, was aber auch nur begrenzt Erfolg hat. Das Ziel des nächsten Tages ist Berlin, wir lassen uns Zeit, denn wir wollen erst abends bei einem Freund dort einlaufen. Das Wetter spielt auch mit, und wir nehmen kleinere Straßen hin zur Grenze, wo wir südlich von Szczecin auf deutschen Boden wechseln. Der Grenzer fragt noch neugierig, wo wir waren, und prüft unsere Aussage nach vier Wochen Osten mit der Nachfrage nach den Autobahnvignetten nach. Aber wir haben keine Autobahnen benutzt. Nach Berlin fahren wir weiter auf kleinen Straßen, die wenig befahren sind, erst ab Wandlitz wird es voll, und wir reihen uns in die Schlange der Autos Richtung Innenstadt. Ein paar Tage entspannen wir noch in Berlin, bevor wir die letzten 550 km nach Mainz in Angriff nehmen. Wir kommen doch glatte 200 km weit, dann beginnt der erste richtige Stau, an dem wir seit langem wieder teilnehmen dürfen. Wir sind zu Hause!

Wie die Überschrift schon aussagt, diese Reise war eine Reise durch die Kulturen und Landschaften unserer östlichen Nachbarn. Es war auch insgesamt keine große Strecke (ca. 6.000 km), und jedes einzelne dieser Länder könnte leicht das Ziel eines Kurzurlaubes sein. Wir haben den Urlaub genießen können, umsomehr, als daß zu Hause gerade schlechtes Wetter war. Die befürchtete Sprachbarriere war zwar da, konnte aber immer überbrückt werden durch Englisch oder Deutsch, oft war auch eine deutsche oder englische Speisekarte verfügbar. Nur in Polen auf dem Land gab es diesen Luxus einmal nicht, hier haben wir uns dann mit Zeichen und unserem aufgeschnappten Wortschatz weitergeholfen. Die Menschen haben überall nachsichtig, hilfsbereit und freundlich auf unsere sprachliche Unfähigkeit reagiert. Wer meint, er fährt in rückständige Gebiete, wird schnell eines besseren belehrt. Tankstellen, Kaufhäuser und Megamärkte nach neuestem technischen Stand schießen überall aus dem Boden, und wenn man überhaupt sagen kann, daß irgendwo die Zeit stehen geblieben zu sein scheint, ist es in der Slowakischen Republik und in abgelegenen Teilen Polens. So ist es in der Regel auch kein Problem, mit Kreditkarte zu bezahlen und Geld aus Geldautomaten per EC-Karte zu bekommen. Benzin und Lebenshaltung sind billig. Probleme mit Motorrädern gab es bis auf die beschriebenen nicht, sie liefen anstandslos. Ist also eigentlich wieder kein richtiger Italienerbericht, wo es eigentlich ja immer was zu Basteln geben müßte.

Eric Koch und Susann Hinz
31.1.2001

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