Zurück
Karte

WEIHNACHTSBAUM UND COWBOYHUT
Texas ´98

Weihnachtsbaum und Cowboyhut, wie verträgt sich das denn? Durch die Großzügigkeit von GM haben wir fast zwei Wochen über Weihnachten frei und mit ein paar Tagen Resturlaub sind es fast 2 1/2 Wochen. Wir wollen die Zeit nicht ungenutzt verstreichen lassen und beschließen nach einem Blick auf die Karte, daß in Texas noch viel ungesehener Raum auf uns wartet. Unseren ursprünglichen Plan nach Mexiko zu fahren, müssen wir fallen lassen, weil Ausländer angeblich keine Fahrzeuge nach Mexiko einführen dürfen. Aber so hart, daß wir uns im Winter auf den Motorrädern 2000Km Anfahrt zumuten, sind wir dann auch nicht, wir tauschen unseren Pontiac Transport für die Zeit gegen einen großen Pickup, auf dem beide Motorräder Platz finden. 


auf dem Weg nach
              SüdenAm 24., Weihnachtstag, geht's los, wir haben die Motorräder am Abend vorher bei klirrender Kälte aufgeladen und einen vorgezogenen Weihnachtsabend zelebriert. Wir verbringen den Weihnachtstag auf der Autobahn, es sind 13 Stunden Fahrt bis nach Springfield/Missouri, wo wir uns bei Richard eingeladen haben.

Der Abend ist eigenartig unfestlich. Richard hatte schon angekündigt, daß er sich nicht viel aus Weihnachten macht, und so sieht es bei ihm in der Wohnung so chaotisch wie immer aus. Wir bringen ihn schließlich dazu, noch mit uns indisch essen zu gehen, um wenigstens etwas besonderes an diesem Abend zu machen.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag ziehen wir weiter. Am Abend sind wir in Fort Worth/Texas, wo wir uns in einem Motel einquartieren. Morgens laden wir die Motorräder ab, entscheiden noch beim Packen, daß wir das Campingzeug doch im Auto lassen, weil die Temperaturen immer noch nicht deutlich über 5 Grad sind, und fahren schließlich los. Dieser Tag bringt uns bis nach Fredericksburg, wo wir in einer Cabin auf dem KOA Campground übernachten. Die Gegend ist ganz anders als erwartet. Statt viel Staub und wenig Vegetation ist es leicht hügelig mit Wäldern. Fredericksburg ist mal von Deutschen gegründet worden und viele Namen erinnern daran. Im Brauhaus an der Hauptstraße wollen wir Abendbrot essen und ein paar Bier trinken, doch wir können uns nur in eine Warteliste eintragen und sollen in ca. zwei  Stunden wiederkommen. Also essen wir lieber bei einem Mexikaner und dann geht es in die Cabin. Trotz fehlendem Heater ist die Nacht ganz angenehm dank unserer guten Schlafsäcke.

Am nächsten Morgen verlangt die SP wieder nach Starthilfe, die Batterie ist wohl etwas schwach wegen der Kälte. Wir fahren die 140 km nach San Antonio über kleine Straßen. Aus unserem Couponheft haben wir uns schon ein Motel ausgesucht, indem wir erstmal abladen, bevor wir nach Downtown fahren.  Bei herrlichem Sonnenschein und 25 Grad gehen wir am River Walk, einem Fußweg, entlang des San Antonio Rivers spazieren.
Zahlreiche Restaurants und Cafés laden hier zum Draußensitzen ein und eine üppige Vegetation sorgt für ausreichend schattige Plätze. Dazu kommt noch eine Architekturmischung aus Moderne und mexikanischem Stil, wir vergessen das wir in den USA sind, es ist hier so „unamerikanisch“. Wir schauen uns noch „The Alamo“ an, eine katholische Mission, die die Spanier Anfang des 18. Jahrhunderts gebaut haben und die die Amis gegen eine Übermacht von Mexikanern verteidigt haben, und beobachten, in der Sonne sitzend, die Touristenströme auf der Alamo Plaza, die sich angesichts dieses Monumentes “ihrer” glorreichen Vergangenheit wieder wie Entdecker fühlen.

The AlamoUnser nächstes Ziel ist Corpus Christi. Wie immer suchen wir die kleinen Straßen, aber auch die sind heute äußerst langweilig, es geht immer geradeaus, links und rechts nicht als kahle Felder. Corpus Christi hat auch schon bessere Tage gesehen, von dem einstigen netten Badeort ist nicht mehr viel übrig, die Stadt lebt heute von einem militärischen Ausbildungszentrum.

Zu sehen gibt es hier den Flugzeugträger „Lexington“, die Nachbauten der Columbusschiffe Nina, Pinta und Santa Maria sowie ein Museum. Das Motel, indem wir übernachten macht auch einen traurigen Eindruck, von ehemals fünf Gebäuden, sind noch zwei in Betrieb, und auch die sind total abgewirtschaftet. Abends haben wir ein enttäuschend schlechtes Essen. Die Fischgerichte stellen sich als fritierte Fischstücke heraus, die ebenso wie das gleich behandelte Gemüse nach gar nichts schmecken.

am Golf von MexicoEs ist der 30. Dezember und in der Hoffnung Silvester am Strand unter Palmen zu verbringen, fahren wir nach South Padre Island, einer Insel ganz im Süden, am Golf von Mexiko. Die Fahrt dahin bringt außer Langeweile noch kräftigen Wind, ansonsten ist es aber schön warm. So warm, das ich mir nach unserer Ankunft erstmal einen Bikini kaufen gehe.

Das billigste Motelzimmer im Ort kostet dann doch satte 61 $ pro Nacht, hat dafür aber eine Küche, und zum Jahreswechsel kann man sich ja ruhig mal etwas gönnen. Den Tag verbringen wir am Strand, am Abend suchen wir eine Bar mit Silvesterparty. Das dauert! Nachdem wir in ca. einer Stunde fünf Bars mit der jeweils maximalen Besucheranzahl von fünf abgeklappert haben, finden wir dann doch noch eine Bar mit Livemusik, die etwas besser besucht ist (ganze 20 Personen). Um 23:30 füllt sich der Laden sogar schließlich, es wird viel getrunken, um Mitternacht wird angestoßen und um 00:30 ist der Spuk vorbei, die Leute sind alle wieder weg. Tja, die Amis sind schon Weltmeister im Feiern.

Bier aus der
              PapptüteAm Neujahrsmorgen geht es weiter, immer entlang des Rio Grande an der Grenze zu Mexiko. Die Landschaft ist grün und überall stehen Palmen, es ist sonnig und das Thermometer zeigt 28 Grad.  Am Abend sitzen wir dann in Laredo vor unserem Motelzimmer und trinken unsere Feierabendbierchen (natürlich aus der Papptüte, damit keiner sieht was wir da trinken). Auf dem Weg nach Del Rio ändert sich die Landschaft unmerklich, es wird wüstig - felsig und der Boden ist mit Kakteen und Yukkas bedeckt. Die Ortschaften wirken hier armselig und verfallen, ca. 90% der Bewohner sind Mexikaner. Unterwegs werden wir zweimal von der US-Border-Controll angehalten, die hier ständig auf der Suche nach illegalen Einwanderern ist.

Big Bend NPNach der Nacht in einem Motel in Sanderson, in dem wir die einzigen Gäste sind, werden wir am Morgen von eisigem Wind und minus fünf Grad überrascht. Dick eingepackt schaffen wir es erstmal bis Marathon, das sind gerade mal 70km. Hier müssen wir eine Zwangspause einlegen, weil ich, ohne Heizgriffe und mit zu dünnen Handschuhen, das Gefühl habe daß meine Finger abgefroren sind. Der Kassierer der Tankstelle, an der wir uns aufwärmen wollen, stellt mir gleich einen kleinen Heizer und einen Stuhl bereit. Er fährt auch eine Guzzi und ist hocherfreut zwei deutsche Guzzifahrer in dieser Einöde zu treffen. Bis wir im Big Bend Nationalpark sind haben sich die Temperaturen etwas gemäßigt (Sonne und +10 Grad). Der Park ist wunderschön und abwechslungsreich.

Erst fahren wir auf schönen kleinen, kurvigen Straßen durch eine karge Berglandschaft bis hinunter an den Rio Grande, an dessen Ufern es üppig grünt, und später geht’s auf einer Dirtroad durch die Wüste. Über Terlingua, einem Aussteigerörtchen mit entsprechendem Flair am Rande des Parks, fahren wir wieder gen Norden bis Alpine, wo wir die Nacht verbringen.

Der nächste Tag führt uns weiter durch die Berge, das Fahren macht Spaß weil die Straßen gut und kurvig sind.  In der Nähe von Fort Davis liegt das Mc Arthur Observatorium, und wir schauen uns ein bißchen um. Das Observatorium selber ist nicht so berauschend, doch hat man von hier oben einen schönen Blick über das Land. Die kürzeste Verbindung zu unserem heutigen Ziel, Carlsbad in New Mexiko, ist der Highway 54. Die Straße führt schnurgerade durch die Wüste und auf den 90 km kommen uns ganze vier Autos entgegen.

In Carlsbad angekommen hat uns aber der Tourismus wieder, Motel reiht sich hier an Motel, kein Wunder, sind doch die Carlsbad Caverns ganz in der Nähe. Diesen riesigen Tropfsteinhöhlen statten wir am nächsten Morgen einen Besuch ab. Ca. zwei Stunden wandern wir durch das unterirdische Tunnel- und Hallensystem, das das Innere eines ganzen Berges ausfüllt.

Da es uns auf Dauer doch zu kalt in dieser Gegend ist (West-Texas und New Mexiko liegen auf einer Art Hochplateau), und der Wetterkanal uns wärmere Temperaturen im Osten verspricht, fahren wir nun wieder gen Osten. Tatsächlich wird es wärmer als wir die Berge verlassen und durch eine karge Ebene fahren, in der es nach Öl und Schwefel riecht und überall Ölpumpen rumstehen.

In Andrews, einem verschlafenen Ort inmitten der Ölfelder finden wir ein billiges Motel. Wir essen ganz gut bei einem Mexikaner und wollen uns noch ein paar Bier fürs Bett an der Tankstelle holen, müssen da allerdings erfahren, daß wir uns in einem „Dry-County“ befinden. Das heißt, Bier können wir uns erst in der nächsten, 70 km entfernten Stadt des Nachbarcountys kaufen. Herzlichen Glückwunsch, das war wohl nichts!

ÖlfelderDer nächste Tag bringt landschaftlich nichts Neues, wohin man schaut: Ölfelder. Auch die Stadt San Angelo hält nicht was ihr Name verspricht, eine mehrspurige Straße zieht sich durch die Stadt, links und rechts typisch amerikanische Holzhäuser. Auf dem Weg nach Brady, dem „Ort der Zahnlosen“, wie wir ihn später taufen, weil hier niemand Zähne im Mund hat, spielt die Elektrik der SP etwas verrückt. Mal leuchtet die Lichtmaschinen Kontrolleuchte, dann zeigt das Voltmeter keine Ladung an. Wir fahren erst einmal weiter, um zu schauen, was passiert. Es passiert aber bis zum Abend nichts.
Wie jeden Abend schauen wir den Wetterkanal, und entscheiden erst danach wo's am nächsten Tag hingehen soll. Besonders rosig sieht's nirgendwo aus, aber langsam müssen wir uns wieder Richtung Ft. Worth bewegen, also machen wir noch einen Schlenker über Austin bevor es wieder nach Norden geht. Eigentlich wollen wir kleine kurvige Straßen nehmen, nach ca. 50 km kommen wir aber in eine dicke Nebelwand und entscheiden uns deshalb für den kürzesten Weg.

In Austin schauen wir uns per Motorrad etwas um, die Stadt ist nett und scheint sowas wie eine Subkultur zu haben, jedenfalls gibt's hier einige nette Kneipen, in denen am Abend auch Live-Musik gespielt wird. Wir genießen die wiedergewonnene Wärme, sitzen eine Weile in einem Biergarten (bei Kaffee natürlich) und lassen uns von der Sonne bescheinen, bevor wir doch noch weiter nördlich fahren. Wir übernachten vor der Stadt, und es ist wieder so warm, daß wir bis spät mit ein paar Bier vor der Tür sitzen.

Unser letzter Motorradtag ist angebrochen, es ist sehr warm und sonnig, fast schon schwül, und wir freuen uns an diesem letzten Tag noch mal so ein Glück mit dem Wetter zu haben. Nach ca. einer Stunde hat sich das allerdings erledigt, wir stecken wieder in dickem Nebel und noch mal eine halbe Stunde später werden wir von Minusgeraden überrascht. Auf den letzten 100 km halten wir zweimal an um uns aufzuwärmen, wir waren halt mehr auf sommerliche Temperaturen eingestellt.

Als wir in Ft. Worth ankommen sind es wieder um die 0 Grad, wie abgefahren so angekommen. Der Pickup steht noch brav vor dem Motel. Wir laden die Motorräder, die nach den 13 Tagen nun 4500km mehr auf dem Tacho haben, auf, duschen erst einmal warm und fahren noch nach Downtown. Erstaunt stellen wir fest, daß Ft. Worth eine wunderschöne und lebendige  Innenstadt hat, in der es jede Menge Kneipen gibt. Wir essen im “Razoo-Cafe” und küren dieses Café anschließend zum “bisher besten Restaurant der USA”.

Ganz früh stehen wir heute mal auf, wollen wir doch ordentlich Kilometer machen. Alle 400-500 km wechseln wir uns mit Fahren ab, gehalten wird nur zum Tanken. Die Straßen sind zum Glück ganz frei. so kommen wir gegen 24 Uhr in  Indianapolis an, wo wir uns einen Truckparkplatz suchen um ein paar Stunden zu schlafen. Es ist allerdings eiskalt, die Temperaturen sind bei minus 20 Grad, und es liegt natürlich auch entsprechend viel Schnee, so daß nach ca. drei Stunden der Pickup so ausgekühlt ist, daß an Schlafen nicht mehr zu denken ist.

Eric setzt sich wieder ans Steuer und fährt weiter Richtung Detroit, wo wir schließlich früh um 9 Uhr ankommen. Wir legen uns erst einmal hin und schlafen eine Runde. Als wir 3 Stunden später aufstehen, ist draußen alles inklusive Motorräder von 10cm Schnee bedeckt. Da haben wir noch mal Glück gehabt.

 


 
Susann Hinz & Eric Koch 
Januar 1999
 
Anfang

 
 
 
 
wieder in Detroit