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Projekt Haus - ein neues Hobby
Stand 31.01.2015

Wir haben 2007 ein Haus Baujahr 1992 in Rheinhessen gekauft. Mit den ersten Rechnungen für die Gasheizung reifte schnell der Gedanke über den Einbau einer alternativen Heizungsanlage. Wir wollten es fachlich richtig machen und nahmen einen Energieberater, der das Haus bewerten, uns beraten sollte und uns durch die Bauabschnitte führen sollte. Hier eine Beschreibung unseres Projektes, das sich über ein Jahr hinzog. Diese Seite entstand, um Interessierte an unseren Erfahrungen teilhaben zu lassen. Bei der Gelegenheit wurde auch eine Steuerung von Uponor eingebaut.

Leider hielten Teile dieser Anlage nicht mal 7 Jahre. Vielleicht bin ich ja blauäugig, aber ich erwarte von Haustechnik 20 Jahre Lebensdauer. Die Einzelraumregelung von Uponor hat nach sechs Jahren den Betrieb aufgegeben. Die WPF5 von Stiebel Eltron hielt immerhin 7 Jahre. Warum so viel Kühlmittel verloren ging, daß die WP getauscht werden mußte, konnte nicht geklärt werden. Jeder Kühlschrank mit vergleichbarer Technik hält länger. Wo das Kühlmittel sich im Keller verteilt hat, will ich nicht wissen.

VORGEHENSWEISE
FIRMENBEWERTUNG
BANKANGELENHEITEN
AMORTISATION
HILFREICHE LINKS



HINTERGRUND

Ölpreis
              Entwicklung

Man beachte daß die Preise in US $ sind, die Steigerung in Europa war durch den starken € in Europa stark abgeschwächt
Preisvergleich Heizenergie  Heizquellen 2014

Wir empfinden den Gasverbrauch unserer Heizung im ersten Winter als zu hoch. Außerdem wird es in manchen Räumen nur unzureichend warm, in manchen garnicht. Bei der Sonderausstellung auf der Rheinland-Pfalz Ausstellung "Energiesparen" kamen wir das erste Mal mit dem Thema Erdwärme in Berührung - faszinierend! Für ein Viertel der Energiekosten die gleiche Leistung bekommen. Vor dem Hintergrund ständig steigender Energiepreise eine reizvolle Alternative, die allerdings eine relativ hohe Anfangsinvestition voraussetzte.

Entscheidungsgründe für Erdwärme
Eine Brennwerttherme würde nicht von den Gas/Ölpreisen unabhängig machen. Eine Pelletheizung schied aus wegen der unkalkulierbaren Rohstoffpreise in der Zukunft. Luftwärmeanlagen haben einen zu schlechten Wirkungsgrad in unseren Breiten. Für eine Komplettlösung mit Kollektoranlage hätte man neu bauen müssen. UND - der Strompreis steigt nicht im gleichen Maß wie die fossilen Energien (interessant auch die Schwankungen des Gaspeises je nach Jahreszeit).

VORGEHENSWEISE

Es folgte nach weiterer Beschäftigung mit diesem Thema der Kontakt zu KNOG, dem "Kompetenznetzwerk oberflächennahe Geothermie" in Bingen. Dieser Verein hat sich auf die Fahnen geschrieben ganzheitliche Lösungen und Betreuungen anzubieten. Der empfohlene Energieberater Hr. Hedderich aus Mainz schlug in einem Gespräch vor, die Hausdämmung zu verbessern, um die Investition in Bohrung und Heizungsgröße zu reduzieren. Er ließ sich die Bauunterlagen geben und errechnete den IST-Zustand unseres Hauses und die Ergebnisse der Verbesserungen, die eine Dämmung mit Heizungsumstellung auf Erdwärme inklusive Heizungsunterstützung mit Solarkollektoren bringen würde.

Ohne die Ergebnisse im einzelnen darzulegen, hätte alleine eine Dämmung auf "Neubau -30%" (sozusagen KfW60) eine Einsparung von 20% der Energiekosten gebracht. Mit der Heizung zusammen sollte es ein Sprung von ursprünglichen 300W/m^2/Jahr auf 70W/m^2/Jahr geben. Das hörte sich gut an. Als Investition schätzte er ca. 40.000€ und schlug uns gleich ein Unternehmen vor, mit dem er zusammen schon Dämmungsmaßnahmen durchgeführt hatte. Dieses Angebot stellte sich als sehr gut heraus. Die Dämmung der Fassade und der Kellerdecke sollte inkl. Eigenleistung (Verlegen der Kellerdeckendämmung) nur ca. 15.000€ kosten. Da uns aber die Angebote von den anderen KNOG "Mitgliedern" (Fa. Kleist Bohren, Schüssler Heizung, König Geologisches Gutachten) recht hoch erschienen, fragten wir noch andere Firmen an. Am Ende erteilten wir nach Verhandlungen der Fa. Geotechnik Hechtsheim für das geologische Gutachten, der Fa. Schüssler für die Wärmepumpenanlage und der Fa. Handke für das Bohren den Auftrag. Dies ergab zusammen ein Auftragsvolumen von knapp 32.000€. Dazu kamen noch die Kollektoren für 1200€.

Mit diesen Angeboten füllten wir den KfW Antrag aus, da wir mit unseren Maßnahmen für zinsbegünstigte Kredite im Programm "CO2 Reduzierung" qualifiziert waren (Maßnahmenpaket 4: drei Maßnahmen aus sechs möglichen). Für die Bohrtiefe von 120m sollten wir einen Antrag beim Geologischen Landesamt in Mainz stellen. Als der Sachbearbeiter aus dem Urlaub zurück kam, teilte er uns mit, daß eine einfache Anzeige reichen würde, und wir konnten endlich einen Bohrtermin festmachen. Den mußten wir aber kurz darauf verschieben, weil uns die KfW mit der Mitteilung schockte, daß unser Antrag wegen falscher Antragsstellung und fehlerhaftem Energiebericht des Energieberaters nicht genehmigt wurde. Sechs Wochen seit Antragstellung waren ins Land gegangen, die DKB hatte alleine fünf Wochen für die Prüfung gebraucht. Es war inzwischen September und die Zeit rannte uns davon. Man darf die Arbeiten nicht vor Antragsstellung beginnen lassen.

Wir wechselten den Energieberater, weil Herr Hedderich auch nicht erreichbar war, und dieser stellte alle Berechnungen noch einmal an und half uns mit dem Ausfüllen des KfW Antrages. Dieser Antrag ging ohne Probleme durch, und wir konnten Mitte Oktober endlich beginnen. Die Dämmungsfirma fing an und arbeitete sehr gründlich unsere Wünsche in Bezug auf Fensterladenbefestigung und anderer Sonderwünsche ein. Leider dauerte es bis Anfang Dezember bis das Haus gedämmt, verputzt und gestrichen war. Die Dämmungsfirma arbeitete nicht kontinuierlich und konsequent zeitorientiert.

Die Firma Handke rückte Mitte Oktober an und setzte innerhalb von 3 Tagen die 120-Meter Bohrung in unseren Garten. Den größten Dreck machte hierbei der heraus geförderte Ton, der sich wasserundurchlässig auf unseren Rasen legte. Beim Verlegen der Leitung zum Haus wurde die obere Schicht von der Firma Handke abgetragen. Die Leitungen wurden nicht in frostsicherer wie laut Rechnung verlegt, aber Herr Handke überzeugte uns im Endeffekt, daß die 3 Meter keine größeren Verluste verursachen würde.

Anfang Dezember (die Zusage des Energieberaters Hedderich vom Anfang des Jahres und beim späteren Hinhalten höhnten in unseren Ohren) ging es an die Heizungsumrüstung. Fa. Schüßler verlegte die Wärmeleitungen und die Elektrik und baute dann innerhalb von drei Tagen eine Woche vor Weihnachten die Heizungsanlage um. Weihnachten heizten wir mit Erdwärme. Erst im Februar wurden die Solarkollektoren eingebunden und eine funkgesteuerte Einzelraumregelung installiert, der hydraulische Abgleich wurde Mitte März durchgeführt.

Die Förderanträge wurden mit Hilfe des Energieberaters ausgefüllt (energieeffiziente Umwälzpumpen und Solarpumpe, Kollektoren). Mit der Bestätigung des Heizungsbauers und des Energieberaters wurden die Formulare für die KfW eingereicht als Bestätigung für die Ausführung laut Angebot. Nach vier Monaten dann ein Schreck. Ein Brief der KfW teilte uns mit, daß wir alte Formulare verwendet hätten. Die wurden vom Energieberater bereit gestellt. Also das ganze noch einmal mit den neuesten, aus dem Internet herunter geladenen Formularen. Die Genehmigung der Zuschüsse dauerte insgesamt 6 Monate.

BEWERTUNG DER ARBEITEN UND ANLAGEN

Ich hatte ja vorher nicht mit Handwerkern zu tun, aber es ist leider so, daß sich alle Vorurteile bewahrheitet haben. Grundsätzlich gilt: schlecht zu erreichen, Desinteresse schon an Angebotserstellung und sobald Geld geflossen ist ein Absacken der Motivationsschwelle auf 0%.


ENERGIEBERATER
Hedderich, Mainz: Katastrophe
Jahnson, Wörrstadt: arbeitete kostenfrei ein zweites Gutachten aus und unterstützte bei allen Anträgen, Abrechnung offensichtlich über KNOG intern. Nach anfänglichem Enthusiasmus war er später so gut wie nicht mehr erreichbar und die Abnahmen und Bestätigungen gab es nur auf permanentes Nachfragen.

GEOLOGE
Gutachten laut Angebot, Überprüfung der Bohrergebnisse kostenfrei, weil ohne seperaten Papierkram. Uneingeschränkt positiv.

DÄMMUNG
Europahaus, Mainz: Bestätigt alle Vorurteile über Baufirmen, extrem terminuntreu. Ständige "Kontrolle" war nötig, damit Arbeiten auch wie besprochen durchgeführt wurden. Ausführung war im Endeffekt akzeptabel, technisch sauber nur im Finish sehr nachlässig. Es kamen gegenüber Angebot (das angeblich komplett und pauschal war) noch die Kosten für diverses Kleinmaterial dazu, was sich im Endeffekt auf fast 1000€ summierte. Nur eingeschränkt empfehlenswert.

BOHRUNTERNEHMEN
Handke, Diemstadt: Termingerechte Ausführung der Bohrleistung, Abzüge in der B-Note für die Verlegung. Ansonsten äußerst bemüht und kundenfreundlich. Sehr positiv.

HEIZUNGSBAUER
Schüssler, Wörrstadt: Was mich als Endabnehmer stört war die diletantische Ausführung des Wärmepumpengehäuses, das sich nicht schließen läßt. Das ist aber ein Problem von Stiebel Eltron, die anscheinend keinen Gedanken in die Umgebungsteile Ihrer Wärmepumpen investieren. Die Montage war sauber, aber es zog sich über drei Monate hin, weil der Einbau im Winter stattfand, und wir hinter allen Notfällen gehandelt wurden. Ausführung gut, aber Einbindung der Kollektoranlage nur befriedigend. Wir bekamen sogar noch die 300€ Bonus von Stiebel für diese Anlage.
Update November 2015: leider hat die Wärmepumpe nach 7 Jahren wegen Verlust von Kühlmittel irreperable Schäden davon getragen und mußte getauscht werden.

Für die Einzelraumregelung haben wir eine drahtlose Anlage der Firma Uponor genommen. Leider hat der Hauptregler nur 6 Jahre gehalten, ging dann kaputt. Leider war das nur noch verfügbare Nachfolgemodell nicht kompatibel mit dem zweiten Regelmodul (kostet ja auch nur 800€, selbst Microsoft ist abwärtskompatibel). Zum Glück konnte ich das noch heile Bedienteil dafür verwenden. Das ist äußerst unbefriedigend und ich kann die Anlage nicht weiter empfehlen. Nach dem Einschicken der Anlage gab es keine Rückmeldung von Uponor.

SOLARKOLLEKTOREN
Westwind: eine chinesische Marke mit Siegel und Heatpipe Technologie. Lieferung war durch Firma Hochrein Measuring Technology einwandfrei. Die Montage war allerdings wegen einem vollkommen undurchdachten Grundgerüst unmöglich bis aufwendig, eine Hilfskonstruktion machte den Einsatz auf deutschen Ziegeln möglich (siehe Bild). Die Montage der Röhren in die Kollektorkästen war nach Einsatz von Seife problemlos. Die Kollektoren bringen bei uns allerdings nicht die erhoffte Leistung. Trotz 7,2m2 Röhrenkollektoren bekommen wir unsere 400l Warmwasser gerade mal auf 60°C, von Heizungsunterstützung sind wir weit entfernt. Fa. Schüsslers Einsatz in Sachen Fehlersuche war begrenzt.

KNOG
War erster Ansprechpartner, aber im Endeffekt blieb nur die Fa. Schüssler wegen der Kompetenz und dem schlüssigsten Angebot über. Die anderen Mitglieder dieses Vereins waren durchweg zu teuer. Zu dem von Ihnen empfohlenen Energieberater Hedderich braucht man nichts weiter zu sagen. Man könnte den Eindruck gewinnen dieser Verein dient nur der Auftragsbeschaffung der Mitglieder. Wenn die Aufträge erst einmal erteilt sind, schleppt sich die Durchführung und angebliches "An-der-Hand-nehmen für die Anträge" hin. Inzwischen hat sich dieses Netzwerk aufgelöst.

BANKANGELEGENHEITEN

Unsere örtliche Hausbank ließ uns mit unserem KfW Antrag abblitzen, da wir über die DKB im Internet das Haus finanziert hatten und diese somit als erste im Grundbuch standen. An zweiter Stelle wollte sich die Sparda nicht setzen. Laut KfW besteht nicht jede Bank auf einen Eintrag im Grundbuch. Die DKB reagierte mit Unterstützung und Ausführung des KfW Antrages träge bis kontraproduktiv und schleppend. Man merkt, daß sie kein Interesse an weiterem Service hat. Die Prüfung des ersten Antrages dauerte (wahrscheinlich wegen unserer Nachfrage nur) sechs Wochen, dann wurde er offensichtlich fehlerhaft weiter geleitet. Sie versuchten sogar uns unlautere Gebühren abzuverlangen für Leistungen, die bei der KfW gebührenfrei sind (Änderung der Laufzeit und Sondertilgungen).

Man bekommt Auszahlungsformulare mit denen Stück für Stück das Darlehen nach Bedarf abrufen kann. Das ging in der Regel innerhalb einer Woche.

AMORTISATION

Theoretisch  müßte sich die Anlage nach den Berechnungen nach 15 Jahren amortisieren. Verglichen wird eine gedämmte Variante mit neuem Brennwertkessel und Solarunterstützung mit unserem gedämmten Haus mit Erdwärmeanlage. Der Preisunterschied zu unserer Erdwärmeanlage wird mit 13.000€ angenommen, davon kommen noch 4.000€ Zuschüsse ab, so daß der effektive Unterschied 9.000€ sind.

Hier eine Grafik, die die jährlichen Kosten zeigt. Von den errechneten 380€ pro Jahr sind wir allerdings weit entfernt. Aus meiner Sicht ist ein Grund auch die ungenügende Heizungsunterstützung durch die Kollektoren. Im ersten Jahr waren es 650€, die Grafik wird aktualisiert. Das Ziel ist natürlich das Kreuzen der grünen Wärmepumpen-Gesamtkostenkurve mit den Gaskurven.

Randbedingungen: 0,0745€/KWh Gaspreis. 0,15€ Wärmepumpenstrom. Energiepreise werden jährlich nach Onlinewerten aktualisiert.
Gas Kosten alt kumuliert: wir hätten nichts gemacht und unsere alte, überdimensionierte Heizung weiter unser nicht isoliertes Haus heizen lassen
Gaskosten kumuliert -50% (für Brennwert): Schätzwert für isoliertes Haus mit Brennwertanlage mit Kollektoren
WP Strom kumuliert: kumulierte Stromkosten Wärmepumpe
WP Kosten kumuliert: kumulierte Gesamtkosten Strom + Abtrag KfW

FÖRDERUNGEN

Es gibt viele Webseiten, wir fanden diese ganz gut:

Finanzministerium Rheinland-Pfalz

Energiekostenrechner Fenster


  

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