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Das 1000S Ölkühlerprojekt
08.09.2013

Lange habe ich schon mit Roger über die Notwendigkeit von Ölkühlern und deren Umsetzbarkeit diskutiert. Mir mißfällt die Größe der normal verwendeten Mocal Kühler und die Problematik des separat unterzubringenden Thermostats. Dann bringen zwei Sachen aber frischen Wind in die Sache. Einmal entdeckt Roger Ölkühleradapter mit integriertem Thermostat, und ich im Keller nach dem Verkauf meiner Ente einen originalen Entenkühler.  Der sieht am Motorrad garnicht so schlecht aus. Und so beginnen ausgerechnet im schlechtesten Frühjahr seit langem konkreteren Überlegungen.

Den normalerweise verwendete Platz unterhalb des Lenkkopfes finde ich nicht optimal. Einmal steht der Kühler seitlich über, dann steht er schräg im Fahrtwind und zusätzlich gibt es noch ein Platzproblem. Ich habe mir eine Schablone zurecht geschnitten, die den Platzbedarf beim Einfedern beschreibt. Vielleicht sehe ich das auch zu eng, wenn man andere Maschinen sieht, würde es mich wundern, wenn der mögliche  Federweg frei gehalten ist. Ich habe mich für einen Platz oberhalb des Lima Deckels entschieden, auch wenn hier natürlich die direkte Anströmung durch das Vorderrad behindert ist.

Durch das nahe am Limadeckel laufenden Interferenzrohr ist der Platz für die Durchführung recht begrenzt. Den normal verwendeten Schläuchen traue ich bei der Hitze keine Dauerhaltbarkeit zu. Hier werden wahrscheinlich um die 130° dauerhaft erreicht, siehe bei HTM Messungen. Das Gummi kann zwar bis 150°C max, aber für die Dauerhaltbarkeit ist das bestimmt nicht gut. So überlegt ich eine Kombination von Rohren und Schlauch. Als Platz für die Befestigung bietet sich nach einigen Überlegungen die originalen Laschen für die Hupen an. Kritisch ist bei mir die von Dynotec damals installierte zusätzliche Entlüftung, die nach vorne relativ weit aufbaut. Dem Kühler wurden als erste Maßnahme die Rohre gekürzt. Im Nachhinein hätte ich das besser nicht machen sollen, so ließen sich die Anschlußrohre nicht so leicht biegen.

Nahtloses Hydraulikrohr habe ich im Fachhandel bekommen, passend zum Durchmesser des Kühlers (8mm innen, 10mm außen). Den Schlauch wie auch alle anderen Anschlußteile habe ich bei ISA-Racing bestellt, die mich gut beraten haben, welche Teile ich alle brauche. Bei dem Mocal Adapter hatte ich Glück und konnte einen gebrauchten bekommen. Nachdem der Adapter mit der zu unserem Ölkühler passenden M16x1,5 Adapterschraube angebracht war, ging es ans Rohrebiegen. Erst einmal grob , dann immer feiner mit Hilfe von temporären Schlauchstücken, um einen möglichst spannungsfreien Sitz mit großen Radien zu realsieren. Die Feinarbeit war dank 30° im Schuppen eine schweißtreibende Angelegenheit, aber irgendwann hatte ich einen guten Kompromiss gefunden. Mit Ligarex Band habe ich alle Verbindungsstellen gedichtet.

Dann Öl wieder rein und ohne Zündung erst einmal georgelt, um zu sehen, daß Öldruck sich aufbaut. Es baut und mit etwas bangem Zögern wird der Motor gestartet. Zwischen zwei Regenschauern geht es auf eine Testrunde, alles bleibt dicht, das Thermostat schaltet durch und der Kühler nimmt seine Arbeit auf. Spätere Tests auf der Autobahn haben gezeigt, daß die Temperatur mit abgedecktem Kühler um ca. 6-7° bei 120-130 hoch gingen.

Die ganze Aktion hat mich den Entenkühler für damals mal 60€, den gebrauchten Adapter für 40€ und die ganzen Anschlußteile für 80€ gekostet. Den anfänglich montierten Lüfter habe ich aber wieder abgebaut, weil er nichts gebracht hat. Die Temperatur ging genauso weiter in die Höhe, wenn er lief, wie ohne ihn. So habe ich ihn als potentiellen Strömungswiederstand eliminiert.

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Maße Entenkühler

Maße vom Entenkühler, immerhin sechsreihig
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Durchströmung
Der Entenkühler wird offensichtlich schräg durchströmt. Vielleicht wegen dem Lüfter
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Federweg
Schablone gebaut mit dem theoretischen Federweg. Man sieht schon, wo die Kratzer am Lima-Deckel her kommen
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Vorprüfung
Erstes Anhalten, sieht gar nicht so schlecht aus
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Position

Konkreterer Anbautest
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Entflueftung

Problemzone Entlüftungsschraube, die steht weit raus
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Position gerade

Bei Positionierung des Kühlers hoch genug zu Querrohr hin und gerader Lage
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Position schraeg

Bei Positionierung des Kühlers hoch genug zu Querrohr hin und schräger Lage
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Alternativposition

Alternativposition an Stelle der Hupen oben, Kühler muß mindestens umgedreht werden, da der Befestigungssteg mit dem Rahmen kollidiert
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Alternativposition

Anders herum und etwas nach unten geschoben, gibt es wieder Überschneidung mit der Schablone
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Halter Model

Vor dem Sägen des härteren Materials ein Modell gemacht, ob man so an die beiden originalen Hupenlaschen ran kommt - man kommt
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Halter

Halter sind fertig, der Schlenker des rechten ist des dicken Entlüftungs-Anschlusses geschuldet
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Ansicht von vorne

Das fällt von vorne allerdings kaum auf
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Leitungsbiegungen

Das neue Edelstahl Hydraulikrohr nimmt Formen an (hier mit Gartenschlauch)
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Schlängeleien
Die Leitungen schlängeln sich hinter dem Krümmer entlang
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Ergebnis
Ergebnis schweißtreibender Fein-Anpasserei (Motto "Schweiß für Kühlung")
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Kühler

Der Kühler ist dran, starr verschraubt
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Adapter mit Anschlüssen

Die Ligarex Schellen nehmen kaum Platz weg
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Adapter mit Thermostat

Links das stehende Thermostat des Adapters
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Adapter von unten

Blick von unten
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Platz links    Platz rechts

Rechts geht es enger zu als links zu
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Lüfter Sonon

KD1206PHB1 Axial-Lüfter
60x60x15mm, 12V/1,9W
35,7m³/h bei 4300U/min
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 Lüfter adaptiert
Mit leichten Modifikationen schmiegt er sich zwischen die Halter
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Schalter

Liebevoll integrierter Lüfterschalter