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Einzylinder erlebte ich immer nur bei
meinem Bruder, dem sie, wenn wir mal zusammen unterwegs waren, manchmal
schlagartig den Dienst quittierten. Das war meist bei halbwarmen
Zustand der Fall und führte, wenn sie nicht auf Anhieb wieder
ansprangen, zu einer 15 minütigen Zwangspause zum Abkühlen.
Er fuhr nacheinander die XL 250S, XL 500S und die XL 500R, die er
schließlich kaputt schraubte (gelernter Landmaschinenmechaniker,
hat aber inzwischen klugerweise aufgehört zu schrauben). Aber
irgendwie gingen mir die Honda Einzylinder nicht aus dem Kopf, so als
Wintermotorrad mit so schönen dicken Stollen, der kommoden
Sitzposition und dem niedrigen Gewicht müßte die doch ganz
gut zu bewegen sein.
So
blieb es jahrelang beim Gedanken, bis ich im Jahre 2000 per Zufall eine
Verkaufsanzeige über eine LM entdeckte, die alte Sehnsüchte
weckte. Diese LM stellte sich nach einer Probefahrt aber nicht als das
Objekt meiner Begierde heraus, weil hier das Preis
Leistungsverhältnis nicht stimmte. Aber nur zwei Wochen
später stieß ich beim Rumsurfen auf eine RM, bei der ich bei
1400DM dann doch schwach wurde. Der Vorbesitzer war wohl ein absoluter
Dilettant, der Einzylindern ein langes Kettenleben attestierte und
selbst rissige Reifen noch als durchaus alltagstauglich hielt. Der
Preis hatte natürlich seinen Grund, ich mußte noch etwas
Arbeit und Geld hinein stecken, achtete aber immer darauf, nicht mein
selbstgestecktes 2000DM Limit zu brechen. Da kein
Zündschlüssel vorhanden war, kaufte ich ein gebrauchtes
Zündschloß, ebenso wie eine hintere Fußraste. Der
Drehzahlmesser wurde ebenfalls ersetzt, weil er durch Undichtigkeit
ständig mindestens 2000 U/min mehr vorgaukelte. Ein neues
Lenkkopflager war auch nötig und es kamen Heizgriffe dran,
schließlich fand ich auch den Grund für das ständige
Ölen an der Steigleitung. Der große Seitendeckel hatte einen
Haarriß. Zum Glück erstand ich ein günstiges Exemplar,
daß diesem Treiben ein Ende setzte. Nach dem Reifenwechsel zeigte
sich leider noch ein versteckter Fehler, die vordere Felge war innen
oxidiert, und zwar so schlimm, daß die schlauchlosen Reifen nicht
mehr abdichteten. Ich wollte kein Risiko eingehen, und habe mir eine
gebrauchte Felge für 100DM geleistet.
Nachdem alles auf Vordermann gebracht und sie durch die neuen Reifen alltagstauglich war, springt sie bei jedem Wind und Wetter auf den ersten Kick an. Der E-Starter ist praktisch nutzlos, ich habe aber noch nicht heraus gefunden, ob es an einer zu schwachen Batterie oder an einem unterdimensionierten Anlasser liegt. Der Verbrauch liegt bei 5,3 l/100km, wobei die Fahrweise fast keine Rolle spielt. Leider ist man in der Reichweite durch den 12 Liter Tank recht begrenzt, meist heißt es schon nach 180 km auf Reserve gehen und auftanken. Durch die relativ lange Übersetzung (15/40) dreht sie zwar niedrig, man muß aber ständig schalten. Bei 130 km/h auf der Autobahn mit zwei Personen geht ihr auch die Luft aus, dafür dreht sie hier gerade mal 5000 U/min. Alleine geht es auch mal 150 km/h schnell. Die Trommel-/Scheibenbremskombination bringt die Fuhre immer sicher zum Stillstand.
Recherchen haben bis jetzt ergeben, daß auch eine XR Nockenwelle keine Leistungssteigerung bietet, da es nach Aussage der Endurozentrale München die gleiche Nockenwelle ist. Den Gedanken, einen XL 600 LM Tank zu montieren habe ich auch wieder aufgegeben, da mir der gleiche Laden, der mich übrigens auch zuverlässig mit allen Gebrauchtteilen belieferte, sagte, daß die Tankaufnahme hinten ganz anders sei und eine Schweißaktion mit sich bringen würde. Außerdem bräuchte ich andere Seitendeckel und Sitzbank. Man sitzt übrigens erstaunlich kommod auf der originalen Endurositzbank, sie war bisher selbst nach 200 Kilometer Etappen nicht durchgesessen.
Was ich vielleicht irgendwann verbessern werde ist der Auspuff, den der Vorbesitzer wohl aufgeflext und ausgeräumt hat. Außerdem stört mich die praktisch nicht mögliche Federbeinverstellung. An dem Ding haben schon so viele mit Durchtreiber rumgeschlagen, daß ein normaler Hakenschlüssel sowieso nicht mehr paßt. Eine Kompressionsprüfung wird mir irgendwann mal zeigen, wie es um die Mechanik des Motors bestellt ist, aber ansonsten soll sie erst mal laufen.
In Ermangelung eines solchen habe ich einfach mal ein XL 600 Forum eröffnet, das unter folgender Adresse zu finden ist:
http://www.forumromanum.de/member/forum/forum.cgi?USER=user_65310
Eric Koch, November 2000
PS: das
Forum hat inzwischen Jochen übernommen, der auch eine sehr
ambitionierte XL600 Webseite pflegt